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Joleen Mahone

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BeitragThema: Re: Stallungen   So Jul 16, 2017 8:30 am

Joleen war eigentlich kein geduldiger Mensch. Sie hasste es, zu diskutieren, wenn sie recht hatte, und sie hasste es, wenn die Leute ihr nicht glauben wollten. Gerade mit einem Azubi, wie Lucien einer war, kam sie oft an ihre Grenzen; sie hatte gemerkt, dass er gern schonmal abschaltete, wenn sie zynisch wurde oder etwas lauter, weil er es gewohnt war, niemandem zuzuhören, der ihm höhergestellt war, vor allem, wenn diese dann auch noch etwas frecher wurden. Sicherlich wäre es einfacher mit einem so leistungsfokussierten Auszubildenden, der ihr alles von den Lippen ablas und nicht jedes Wort von ihr auf die Goldwaage legte. Lucien war eine Herausforderung, eine Aufgabe, die sie nicht selten an ihre Grenzen brachte. Und sie war niemand, der aufgab, also musste sie selbst lernen, mit ihm umzugehen, sich selbst zu beherrschen. Es war schon interessant, wie symbiotisch die Beziehung von Ausbilder und Auszubildendem eigentlich war.
Sie versuchte also, ruhig zu bleiben. Aber gerade in einer Situation wie dieser, wo Lucien sich einfach komplett querstellte und überhaupt nicht verstehen wollte, was sie von ihm erwartete, was sie ihm sagen wollte. Am Liebsten wäre sie frech geworden, hätte ihm irgendeinen sarkastischen Kommentar um die Ohren gehauen und ihn in Ruhe gelassen. So einfach war das aber nicht. Sie wollte, dass er ein Erfolgserlebnis hatte, dass er lernte, dass er sehr wohl was wert war; denn sie konnte immer noch nicht verstehen, dass so ein selbstbewusst und geradezu arrogant wirkender junger Mann so unsicher und unselbstbewusst sein konnte. Natürlich wollte sie ihm helfen – er war immerhin ihr Auszubildender. Das da mehr hintersteckte, würde sie niemals zugeben; und das nicht nur, weil er Weiß und ein paar Jahre jünger war. Sie lebten im einundzwanzigsten Jahrhundert, da sollte das kein Problem darstellen. War es auch nicht. Sie war sich nur selbst noch nicht im Klaren, was das alles zu bedeuten hatte, und hatte sich für den Moment dagegen entschieden, sich damit auseinanderzusetzen. Gerade hatten sie beide Wichtigeres zu tun.

Joleen beobachtete, wie Lucien abblockte, wie er mit sich haderte – denn eigentlich, da war sie sich sicher, wollte er das nichtmal. Aber manchmal ließ es sich einfach nicht verhindern, das wusste auch sie. Sie war immerhin mal in einer ganz ähnlichen Situation gewesen. So konnte sie selbstverständlich seine billigen Ausreden nicht gelten lassen. “Wir sind früh dran. Du wirst mir jetzt zuhören.“, sagte sie, und war plötzlich eine ganz andere Person. Auf die sanfte Tour hatte es nicht funktioniert, also musste Joleen mal wieder zu der harten, selbstbewussten jungen Frau werden, die sie eigentlich war – mit der sie aber bei Lucien nur in bestimmten Situationen weiterkam. Sie stemmte die Hände in die Hüften und blickte ihn ernst und vielleicht auch ein wenig vorwurfsvoll an – sie hatte eine wahnsinnige, respektverschaffende Ausstrahlung in diesem Moment.
“Natürlich bist du wie kein anderer. Du bist du, das ist gut. Ich will nicht, dass du hier irgendwen beeindruckst. Musst du nicht. Ich weiß aber, was du kannst, und ich weiß genau, dass du besser bist als jeder andere Reiter in diesem Turnier – außer mir vielleicht, aber ich bin deine Vorgesetzte, es wäre schlimm, wenn das nicht so wäre. Also zieh dir verdammt nochmal den Stock aus dem Arsch, Carlile. Deine Leistungen sind fantastisch, also scheiß doch drauf, wenn die anderen sich das Maul zerreißen wollen. Lass sie doch – du bist besser als das, und das solltest du wissen.“ Das war mal eine Standpauke der Sonderlative. Manchmal, wenn sie in solchen Diskussionen mit Lucien steckte, in denen keiner von Beiden zurückweichen wollte, weil sie beide zu starrsinnig waren, wünschte sie sich, sie könnte sich selbst eine Zigarette anstecken, einfach, um die Finger zu beschäftigen. Das ging halt nur nicht so einfach.
“Wenn du meinst, es zählt, was die anderen denken, dann stell dir da draußen einfach vor, ich wäre die einzige, die dich beobachtet. Im Grunde ist das so, bei so einem kleinen Feld-, Wald- und Wiesenturnier schaut doch eh keiner hin. Also reitest du für mich. Und ich warne dich, wenn du nicht alles gibst und mich nicht beeindruckst, werd ich dich die nächste Woche so durch die Gegend scheuchen, da wirst du dir wünschen, du hättest die Ausbildung niemals angefangen.“ Joleen atmete einmal tief durch, und dann grinste sie ihn schief an, ein Friedensangebot. “Und jetzt geh und sieh zu, dass Mozart fertig wird. Ich will keine Widerworte mehr hören.“


{ Gedanken # Moralpredigt }

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Colin Dearing

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Klasse : Durch zweimaliges Sitzenbleiben steckt er immer noch in der MITTELSTUFE fest. Das findet er überraschenderweise weniger schlimm als andere.
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BeitragThema: Re: Stallungen   Fr Jul 28, 2017 10:53 am

Früher hatten Colins Eltern Angst gehabt, dass er gefühllos sein könnte – oder nicht bindungsfähig. Seit er alt genug gewesen war, um sich für Mädchen zu interessieren, war er mit ihnen ausgegangen, hatte die Freundinnen gewechselt wie andere Leute Schuhe oder Unterhosen. Natürlich war das ein Stück weit besorgniserregend – konnte er verstehen. Er war niemand, der seine Freundinnen wirklich an sich ran ließ, und hatte schnell den Ruf des Machos für sich gewonnen. Das war eigentlich nichts Gutes, aber Colin genoss jeden Moment davon; es war ein Ruf, der die Mädchen für ihn schwärmen ließ und ihn bei den meisten Jungs beliebt machte. Natürlich, im Endeffekt zählten nur Joey und Logan – aber es war schon schön, zu den beliebten Kids zu gehören. Immerhin wusste er von seinem jüngeren Bruder, wie hart es sonst war. Doch darunter hatte er die Sorgen seiner Familie geteilt – was, wenn er wirklich beziehungsunfähig war, und niemals den Einen finden würde?
Im Retrospekt musste er sagen, dass sich das im letzten Jahr um einhundertachtzig Grad gewendet hatte. Colin war schon seit Monaten mit keinem Mädchen mehr ausgegangen – was schlicht und ergreifend daran lag, dass Logan so schnell eifersüchtig wurde. Wusste er das? Ja. Wollte er das? Nein. Wie könnte er seinen Freund freiwillig verletzen? Das lag ihm fern. Also schien er sich für alle anderen nun zum ersten mal seit vier Jahren in seinem Singleleben wohlzufühlen, während er eigentlich in der längsten Beziehung war, die er jemals geführt hatte – und das, obwohl Logan und er immer noch kein Label auf das gepackt hatten, was sie verband, war es doch offensichtlich, was zwischen ihnen war und dass sie monogam sein wollten und sein würden. Colin war nicht Single, schon wieder nicht, aber zum ersten Mal war sein Partner nicht nur ein Modeaccessoire, das man ablegen konnte, wenn es langweilig wurde – was allem voran nicht nur daran lag, dass Logan auch Colins bester Freund war, sondern daran, dass Logan einfach nicht langweilig wurde.
Die Situation, in der sie jetzt waren, zeigte ja nur mal wieder, wie aufregend die ganze Sache immer wieder wurde. Hier standen Colin und Logan nun, halb hinter Heartbreaker verborgen, der glücklicherweise groß genug war, dass die jungen Männer fast komplett hinter dem Rumpf des Hengstes verschwanden. Colins Herz raste in seiner Brust, während er Logan in seine Arme zog, sich in seiner Nähe suhlte, jeden Moment mit ihm genoss. Das Schuljahr ging nun zu Ende – dann würden sie nicht mehr jede freie Minute und vor allem jede Nacht zusammen verbringen können. In der Oberstufe waren mehr Jungs, vor allem, wenn Logan und Colin hochgestuft würden – was, wenn sie das Zimmer dann nicht für sich allein haben würden? Das würde die Sache noch schwieriger machen. Aber darüber wollte sich Colin jetzt keine Gedanken machen; lieber konzentrierte er sich auf das Hier und Jetzt, das so gut war, dass es nahezu perfekt erschien.

Colin ließ Logan reden, beobachtete ihn mit einem Grinsen; wie selbstbewusst Logan mittlerweile im Umgang mit ihm geworden war. Erst, nachdem Logan ihn geküsst hatte, fand Colin die Ruhe, um auf Logans Worte zu reagieren. “Weil ich dich liebe, deswegen – da werd ich ja mal stürmisch werden dürfen“, beantwortete Colin schließlich Logans Frage – ihm war nichtmal bewusst, was er da sagte, wollte einfach nur wieder Logans Nähe spüren, ihn bei sich spüren. Er küsste ihn nochmal, kurz, gab Logan gar keine Zeit, um zu realisieren, was Colin da gesagt hatte. Er selbst realisierte es auch nicht – so selbstverständlich war der Gedanke geworden, dass es ihm ganz selbstverständlich erschien, das auch zu sagen. Dass Logan vielleicht noch gar nicht so weit war, das zu hören, da dachte er gar nicht drüber nach. Es wirkte so, als würden sie das jeden Tag benutzen, immer wieder, als wäre das nicht etwas, das unausgesprochen zwischen ihnen stand.
“Mach dir mal keine Sorgen, Bubbles – du bist der beste Glücksbringer, den ich je hatte.“


{ Gedanken # Liebesgeständnis }

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