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 Kantine

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Sheela Verma

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BeitragThema: Re: Kantine   Do Nov 01, 2018 8:15 pm

Insgeheim war Sheela unendlich froh, dass sie bisher weitest gehend um die Frage ‚Wie war dein Sommer?‘ herumgekommen war. Wie hätte sie sie auch beantworten sollen? Zum einen hatte sie auf lange Urlaube an exotischen Stränden oder interessanten Städten verzichtet und war stattdessen auf Kongresse gefahren, um ihre Diagnosemethoden der spektakuläreren Fälle vorzustellen und sich fortzubilden. Das galt nur eben nicht wirklich als entspannende Ferienzeit. Auf dem Hof selbst hatte sie ihre Praxiszeiten in der Regel lesend verbracht; die Schüler mussten die Ranch verlassen, die Azubis durften es und für die Lehrer und Mitarbeiter galt das selbe. Es war ruhig gewesen; einige Schürfwunden, eine kleine Prellung und eine leichte Sommergrippe. Im Krankenhaus hingegen war sie weitaus mehr gefordert worden und letztlich hatte sie sich die eine Woche im Yosemite Nationalpark mehr als verdient. Sie war allein gefahren.
Die Was-auch-immer-es-war-Freundschaft mit Alistair war nicht dazu gemacht, gemeinsam in Urlaub zu fahren, und zu Freundschaften, die so etwas erlaubt hätten, war es auf der Ranch trotz aller Bemühungen nicht gekommen. Viele der Angestellten waren mit ihren Pferden sowieso eingeschränkt gewesen oder hatten lange Aufenthalte bei ihren Familien geplant. Aber das war okay gewesen. Sheela war nicht mehr so unsicher, dass eine Woche in der Natur, in einem kleinen Hotel, wo man schnell lockere Bekanntschaften schließen konnte, nicht verkraften konnte. Trotzdem hatte sie sich ein wenig zwischen den Stühlen sitzend gefühlt. Sowohl auf den Kongressen als auch in besagtem kleinen Hotel hatten Männer mit ihr geflirtet; attraktive Männer, intelligente Männer mit einer Passion und Perspektive. Sie war nicht darauf eingegangen. Wegen jenes blonden Mannes mit den Sturmaugen, den Naturgewaltküssen und dem ebenso unberechenbaren Wesen. Sie hatte ihn vermisst und ihn das doch nicht wissen lassen. Sie waren immerhin nicht zusammen. Und trotzdem machte sie sich an dem Tag, an dem auch die Traynors zurückkommen würden, mit Herzklopfen auf den Weg zur Kantine. Auf die Idee, dass sie ihn auch im Cottage hätte erwarten können, war sie nicht gekommen. Vielleicht auch, weil sie wegen der Ungewissheit, was sie jetzt verband und ob er überhaupt an sie gedacht hatte, einen etwas neutraleren Ort zum Wiedersehen nutzen wollte.

So kam es schließlich, dass sie überaus früh in der Kantine war, ihren Lieblingsplatz ergattern konnte und schon in den Nudeln stocherte, als sich eine Person, mit der sie keinesfalls gerechnet hätte, an ihren Tisch setzte. Ohne zu Grüßen. Allein das ließ die Inderin schon eine Augenbraue heben; als sie dann auch noch die dunklen Züge mit den charakteristischen Augenbrauen bemerkte, weiteten sich ihren Augen einen Moment lang vor Überraschung. Immerhin ein Traynor, wenn schon nicht ihr Traynor. Natürlich hatte sie sowohl im Studium als auch auf dem Hof mit Vincent zutun gehabt; immerhin wohnten sie zusammen. Allerdings war ihr Verhältnis nie wirklich warm gewesen und nach dem Zwischenfall auf dem Ball im Sommer hatte sich daran überhaupt nichts geändert. Auch die aufgesetzte Freundlichkeit zeugte deutlich davon. Aber was Vincent konnte, beherrschte sie ebenso. Sie mochte vielleicht keine Wurzeln im Adel der britischen Inseln haben und ihr Familienvermögen hatte sich erst im zwanzigsten Jahrhundert anzusammeln begonnen, aber sie hatte vom besten gelernt; nämlich von Alistair.
„Der Herr Stallmeisterassitent“, lächelte sie daher breit zurück, genau so viel Hohn in der Stimme, dass man ihn überhören konnte. Ihre Familien mochten sich nicht ebenbürtig sein, aber Sheela hatte am Abend des Balls genug über Alistairs und Vincents verkorkste Welt gelernt, um sich nie wieder von derartigem einschüchtern zu lassen. „Danke der Nachfrage, er war ganz ausgezeichnet. Und deiner?“ Eigentlich war das unverantwortlich. Sie hatte den Hippokratischen Eid geschworen; sie sollte aufpassen, dass niemand auf dieser Schleimspur ausrutschen würde.


[Rückblick | Vincent]

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Alistair Traynor

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BeitragThema: Re: Kantine   So Nov 04, 2018 7:03 pm

Urlaube waren die perfekte Gelegenheit um allem zu entfliehen. So hatten es die Traynors schon immer gehandhabt. Immer, wenn es irgendwo Stress gegeben hatte, der etwas heikler geworden war, waren sie für eine Weile von der Bildfläche verschwunden, bis sich die Aufruhr gelegt hatte. Eine bewährte Taktik, die auch so mancher Prominente praktizierte. Was war auch groß dabei? Man konnte sich schließlich nicht allen Problemen stellen. Besonders scharf war Alistair allerdings nicht darauf gewesen, den diesjährigen Sommer mit der Familie zu verbringen. Wie alt war er denn bitte? Seit Oxford hatten sie kaum noch zusammen Urlaub gemacht, wenn man von Verwandtenbesuchen absah. Ansonsten waren er und Vincent meist alleine durch die Weltgegend getingelt. Auch für ein ganzes Jahr nach Australien und Neuseeland. Wieso auch nicht. Aber jetzt wieder mit den Eltern so viel Zeit verbringen? Nein, dafür war er nicht gemacht und seine Eltern eigentlich auch nicht. Vielleicht seine Mutter, sie war immerhin „so froh, wenn sie ihre Söhne doch wenigstens ab und zu sah“. ‚Ab und zu‘ bedeutete für Alistair allerdings nicht mehrere Wochen am Stück. Noch dazu mit Vincent. Zwar mochte er seinen Bruder, aber aktuell war es eben etwas schwierig und er wäre froh gewesen, den Sommer allein verbringen zu können. Eigentlich wollte er nichts anderes als seine Ruhe. Dass er nicht ständig auf irgendetwas aufpassen oder irgendjemand Rücksicht nehmen musste, sondern einfach mal vor sich hin leben konnte. Es hatte sich dann immerhin auch relativ schnell herausgestellt, dass sein Vater ebenso noch immer nicht für Familienurlaube gemacht war. Wenigstens sahen sowohl er als auch seine Frau ein, dass ihre Söhne Zeit für sich brauchten und bestanden nicht auf irgendwelche peinlichen Familienunternehmungen, wenn man vom gemeinsamen Abendessen absah. Damit konnte Alistair leben und tagsüber verschlief er den Morgen auf dem Zimmer und suchte sich dann am Strand irgendwo ein Platz, der weitestgehend verlassen war. Da bot die Karibik wenigstens genug Möglichkeiten. Es gab viele Buchten, die nahezu unbesucht waren, weil sie von den Hotels zu weit entfernt waren. Ein kleiner Lauf hatte allerdings noch niemandem geschadet. Dass Alistair nicht immer alleine war, hätte er sich denken können. Natürlich bekam er ab und an Gesellschaft und natürlich war die Hin und Wieder weiblich und im knappen Bikini unterwegs. So entstanden Bekanntschaften, die zu Partys führten, zu Einladungen auf Hausboote und zu Alkohol, dem ein oder anderen Stoff und vielleicht auch mal einem Abstecher ins Schlafzimmer. Dass ausgerechnet sein Bruder an einem Morgen nach einer durchzechten Nacht in sein Zimmer platzte, weil er ein Ladekabel brauchte, war auch mehr blöder Zufall als Karma. Mit vernichtendem Blick hatte Alistair ihn hinausgeworfen und wirklich geredet hatten sie über die junge Latina nicht, die dort bei Alistair gelegen hatte. Auch wenn Vincent seinen fragenden Blick nicht verbergen und Alistair ihm zumindest ein paar Eckdaten geben musste. Vor ihren Eltern hielten sie dann aber doch zusammen und mit keinem Wort erwähnte einer von ihnen die Latina oder gar Daniel. Sie waren immerhin alt genug.

Normalerweise war es immer kalt gewesen, wenn sie aus dem Urlaub zurückgekommen waren. Seychellen und Großbritannien war dann eben doch ein größerer Temperaturunterschied. Hier in Amerika war es dagegen noch immer sommerlich warm, sodass die Pullover wohl noch eine ganze Weile im Schrank liegen würden. Mürrisch war Alistair an diesem Morgen aus dem Flieger gestiegen und Richtung Horizon Ranch gefahren. Natürlich mit Vincent im Schlepptau. Sie hatten sich weiterhin angeschwiegen. Natürlich. Auf dem Hof gingen sie dann getrennter Wege und Alistair fragte sich, warum er sich das wieder antat. Schon als das Teeniegeschrei erklang, flüchtete er in das Cottage und schlug seine Zimmertür hinter sich zu, um ja nicht mit Vincent über diesen Urlaub reden zu müssen. Oder – was noch schlimmer war – Sheela über den Weg zu laufen. Wie sollte er sich ihr gegenüber überhaupt verhalten? Möglicherweise hatte ihm die Sonne etwas zu sehr auf den Kopf geschienen, denn so recht entsinnen, was der letzte Stand bei ihnen war, wollte er sich nicht. Natürlich erinnerte er sich an den Kuss, aber was waren sie? Freunde? Ging das überhaupt, wenn er sie doch angeblich nur verletzte? Anstatt, dass der Urlaub ihn entspannte und seine Batterien auflud, hatte er noch mehr an seinen Nerven gezerrt und der Brite war ins Unendliche gereizt, als er von dem gemeinsamen Abendessen hörte. Er hatte ja sonst nichts zu tun! Lust, in die Stadt zu fahren, und sich selbst etwas zu essen zu holen, hatte er aber auch nicht, also stellte er sich ersteinmal unter die Dusche. Der lange Flug hatte seinem Geruch nicht unbedingt gutgetan. Vor dem Spiegel griff er dann zum Rasierer und entledigte sich des kurzen Bartes, den er über den Sommer nur gestutzt hatte. Seine Locken waren ebenfalls länger geworden und hatten helle Strähnen von der Sonne bekommen. Er fuhr sich durch das dichte Haar und über das nun glattrasierte Kinn. Nicht einmal der Drei-Tage-Bart hatte überlebt. Alistair seuftzte. Es war an der Zeit, dass er sich mal wieder zusammenriss. Also schlüpfte er wie üblich in Hemd und Hose, wenn auch dunkelblaues Baumwollhemd und schwarze Jeans. Er hatte gelernt, dass man hier kaum wert auf Etikette legte und er würde sich sicherlich nicht das Armani-Hemd mit Kantinenessen bekleckern. Als er aus seinem Zimmer kam, war alles ruhig. Nur Maja kam auf ihn zugesprungen, doch mit ihr war er bereits eine ausgiebige Runde gegangen und füllte nun nur noch ihren Napf mit Frischfutter. Dann verließ er das Cottage, natürlich mit Sonnenbrille auf der Nase. Möglicherweise hatte er doch einen Jetlag und möglicherweise hatte er in der einen Woche, die sie zuletzt noch in London gewesen waren, zu viel gefeiert und zu viel dann doch wieder im Geldgeschäft gearbeitet.
Die Kantine war voll und Alistair fühlte sich, als hätte er einen Kater, so unnatürlich laut kam ihm alles vor. Das Geschirr klapperte nervenaufreibend in seinen Ohren. Er nahm sich gerade so viel, dass er vom Essen eventuell satt wurde und zugleich nicht zu viel Kantinenessen in sich hineinstopfte. Dann suchte er sich mit seinem Teller einen Platz am Rand. Erst als er saß, erblickte er einige Tische weiter vorn Vincent und Sheela. Argwöhnisch kniff er die Augen zusammen, doch hinter den getönten Gläsern der Sonnenbrille sah das natürlich niemand. Was zum Teufel hatte sein Bruder vor? Vincent unterhielt sich, ebenso wenig wie Alistair, nicht grundlos mit jemandem. Und dass er Sheelas Gesellschaft suchte konnte nur bedeuten, dass er irgendwas im Schilde führte.
So auf die beiden fixiert bemerkte der Brite nicht, dass sich jemand dem Tisch genähert hatte und ehe er sich versah, saß ein dunkelhaariger Mann vor ihm, den er liebend gerne vergessen und aus seinem Leben verbannt hätte. Daniel hatte sich hingesetzt und gegrüßt. Alistair brachte nicht mehr über sich als ein mürrisches Brummen, ehe er sich seinem Essen zuwandte. Was wollte Daniel nun von ihm? War das irgendein perfider Plan von ihm und Vincent? So allmählich bekam Alistair ein Gefühl für Verschwörungstheorien. Wenn Daniel etwas wollte, dann würde er es allerdings aussprechen müssen, denn als Angehöriger des Altadels konnte Alistair eines besonders gut: Aussitzen und schweigen.
{Rückblick | Vincent | Ankunft | Cottage | Kantine | Daniel}

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Emilia Sterling

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BeitragThema: Re: Kantine   So Nov 18, 2018 9:34 pm

Es war faszinierend. Die Ferien waren vorbei und in kürzester Zeit ging es auf dem Hof wieder zu wie in einem Bienenstock. Überall surrten und summten Schüler umher. Die Pferde, die mitgenommen wurden, wurden wieder eingestallt und versorgt. Koffer wurden über den Hof in die Zimmer gezerrt.
Die ganzen Ferien über hatte auf der Horizon Ranch dagegen eine angenehme, aber zeitweise auch beklemmende Ruhe geherrscht. Pflichtbewusst wie Emmi war, hatte sie die gesamten Sommerferien auf der Ranch verbracht. Lange Flüge waren ja schon sowieso nicht ihr Ding und dann nur für eine Woche nach hause fliegen – das lohnte nicht großartig. Außerdem musste sie sich auch um genug andere Dinge kümmern, denn schließlich hatten ihre Mitarbeiter auch ab und an mal ein paar freie Tage verdient. Sich selbst nahm Emmi aus der Regelung natürlich aus, typisch Arbeitstier… Zumindest hatte sie alles etwas ruhiger angehen lassen können. Denn im Gegensatz zur Schulzeit gab es ja nachmittags keinen Reitunterricht. So hatte sie sich dann und wann auch mal nach der morgendlichen Runde und dem Versorgen der Pferde, ein oder zwei Stunden mehr Schlaf gegönnt und sich nochmal hingelegt.
Nun war aber die Idylle endgültig vorbei. Aber eigentlich beruhigte es sie auch ungemein, wenn alles seinen gewohnten Gang gehen konnte. Routine war eine ihrer heimlichen Leidenschaften.

Nachdem sie ihre Futterrunde im Stall beendet hatte und alle Pferde soweit für die Nacht mit Futter und Heu versorgt waren, war für die Isländerin erst einmal eine Dusche dran. Das schwüle Wetter war schweißtreibend und die Arbeit im Stall sorgte dafür, dass sich eine feine Schicht aus Staub auf ihrer Haut ablagerte. So war es den anderen gegenüber nur fair, wenn sie nicht in ihren verschwitzten und dreckigen Pferdeklamotten beim Essen auflief. Das kühle Wasser spülte den Dreck des Tages davon und verschaffte ihr dazu auch noch etwas Erleichterung von dem warmen Wetter. Die nassen blonden Haare band Emilía sich locker zu einem Dutt hoch. Föhnen fasste sie bei der Hitze unter Körperverletzung.
In frischen Klamotten und mit einem voll beladenen Tablett setzte Emmi sich an einen der letzten freien Tische in der Kantine. Reisen schien hungrig zu machen. Oder hatten die Schüler das Kantinenessen so sehr vermisst? Sie konnte zwar meistens nicht am Essen meckern, aber es war eben immer noch eine Kantine a.k.a. Großküche. Etwas lustlos begann sie in ihrem Essen zu stochern, steckte sich ab und an einen Happen in den Mund und beobachtete das aufgeregte Treiben unter den Schülern.

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Kyle Davison

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BeitragThema: Re: Kantine   Sa Nov 24, 2018 9:12 pm

Die Sommerferien waren eine Art Startschuss für die Freiheit gewesen. Das erste Jahr an der Ranch war überstanden, so konnte man es immerhin bezeichnen, denn wirklich erfolgreich hatte Kyle es nicht gefunden. Das lag nicht zuletzt daran, dass er weitaus höhere Ansprüche an sein Umfeld stellte, als es auf der Ranch gegeben war. Dennoch musste er zugeben, dass es vorübergehend eine ganz nette Bleibe war, wenngleich er dort verrittene Schulponys korrigieren musste.
Am letzten Schultag hatte er aber dennoch um Handumdrehen seine Koffer gepackt und Iblis verladen. Neben etwas Heimaturlaub standen auch die großen Ziele der Saison an. Es ging raus auf die Vielseitigkeitsstrecken des Landes und sogar ein Start in Europa war geplant. Letztendlich konnte Kyle sich nicht über seinen Schimmel mit dem vielversprechenden Pedigree beschweren – er hatte ganze Arbeit geleistet und einige goldene Schleifen nach Hause geholt. Doch auch wenn es manchmal „nur“ für die Top Ten oder Ähnliche gereicht hatte, so war der Sommer ein voller Erfolg gewesen. Iblis hatte an Sicherheit gewonnen und Kyle wieder an Routine. Besonders ihre Fähigkeiten im Gelände hatten im Winter seh gelitten, weil schlichtweg Trainingsmöglichkeiten fehlten. Und Hallenspringen waren kein idealer Ausgleich für eine so kraftzehrende Aufgabe. Das harte Training seit dem Frühjahr hatte sich also bezahlt gemacht und der Kanadier hatte seinen Schimmel in die wohlverdiente kurzzeitige Pause entlassen können, ehe sie noch zum Saisonende ein paar Turniere in Kanada ritten. Der krönende Abschluss war der Sieg im S-Springen von Kyles Heimatstall, wo er einst das Reiten erlernt hatte. Es hatte gut getan, einmal die ganzen alten Gesichter wiederzusehen. Dass ein Besuch in Kanada auch den Anblick der Visage seines Vaters mit sich brachte hatte Kyle nicht wirklich bedacht. So sah er sich mit seinem alten Herrn konfrontiert, als er gerade vom Pferd stieg und dieser ihn fragte, warum er sich nicht blicken lassen. Es folgte nur ein kurzer Wortwechsel. Alibimäßig. Der Dunkelhaarige hatte sich längst damit abgefunden, dass das Interesse seines Vaters nicht wirklich ihm galt, sondern nur dazu da war, um den Schein einer heilen Vater-Sohn-Beziehung zu wahren.
Ablenkung hatte Kyle bei seinen Kumpels gefunden, in ausgiebigen Barbesuchen und durchzechten Nächten, die meistens mit einem Aufwachen in fremden Betten geendet hatten. Doch wie immer musste er erkennen, dass dies das Loch nicht füllen konnte, das das Desinteresse seines Vaters hinterließ.
Froh war er dennoch nicht gewesen, als die Zeit gekommen war und er auf die Horizon Ranch zurückkehren sollte. Selbst, wenn er sie nicht mehr als sein persönliches Gefängnis betrachtete, war es doch auch kein Zuhause für ihn. Dafür fehlten die dichten Wälder Kanadas, die unberührte Natur, die eisigen Winter, das ferne Brüllen eines Bären.
Unter einem Seufzen stieg Kyle aus seinem Wagen, lud Iblis aus und stiefelte mit Filou und Phönix im Schlepptau in Richtung Stall, ehe das große Getummel ausbrach. Der Schimmel fand sich schnell in seiner gewohnten Box zurecht und widmete sich zügig seinem Heu, sodass Kyle ihn guten Gewissens allein lassen konnte. Wie sollte es anders sein, stieß er am Stalltor noch mit Jim zusammen und konnte sich dann ein Schmunzeln doch nicht verkneifen. Kurzerhand umarmte er den Pferdepfleger, der ihn zurück willkommen hieß. Vielleicht – ganz vielleicht hatte diese Ranch ihm doch gefehlt. Zumindest ein bisschen.

Das Geschirrgeklapper und Stimmengewirr hatte er nicht vermisst. Auch nicht den Kantinengeruch. Mit einem Augenrollen betrat Kyle frisch geduscht und in Jeans und Sweatshirt, bei dem die oberen Knöpfe verbotenerweise aufstanden, den Speisesaal, wo bereits alle damit beschäftigt waren, sich über ihren Sommerurlaub auszutauschen. Halbherzig griff er einen Teller und nahm sich etwas von dem Essen. Da vermisste er glatt sein halbrohes Fleisch aus Kanada.
Als er sich umsah und nach einem freien Platz suchte, stand er plötzlich neben einem blonden Schopf, der ihm mehr als bekannt vorkam. Unter einem Ächzen ließ er sich neben Emilia auf den Stuhl fallen und begann kommentarlos zu essen. Ihren eine Erklärung fordernden Blick konnte er beinahe auf sich ruhen spüren, sodass sich seine Mundwinkel beim Kauen dann doch zu einem Grinsen verzogen. Nachdem er den ersten Bissen heruntergeschluckt hatte, wandte er den Blick dann doch der Isländerin zu. „Ich dachte mir, dass du deinen Lieblingsmitarbeiter vermisst hast. Keine Sorge, ich trage es dir nicht nach, dass du deine Freude nicht offen zur Schau stellst und mir unter Freudentränen um den Hals fällst.“ Vielleicht hatte er ja doch ein bisschen mehr von dieser Ranch vermisst. Etwas, das keine fremde Frau in seinem Bett ihm geben konnte.


{Rückblick | Kantine | Emilia}

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Cornet Iblis / stallion / kwpn
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Colin Dearing

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Klasse : Durch zweimaliges Sitzenbleiben steckt er immer noch in der MITTELSTUFE fest. Das findet er überraschenderweise weniger schlimm als andere.
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BeitragThema: Re: Kantine   Fr Dez 07, 2018 11:19 am

In einer perfekten Welt wäre Colin nicht mit seinem Bruder in die Kantine gegangen. Das sollte nicht falsch klingen: das Beste, das ihm in den letzten Wochen passiert war, war, dass Liam wieder in sein Leben zurückgekehrt war. Doch wenn er ganz ehrlich war, würde Colin Liam stehen lassen, wenn er die Chance hatte; denn während er seinen Bruder sehr gerne hatte, war die Gesellschaft des Blonden doch nicht das, was er wirklich wollte. Viel lieber hätte er den Menschen gefunden, mit dem er sein gesamtes Leben verbracht hatte, mit dem er im letzten Jahr fast jede wache Minute und auch die meisten schlafenden Minuten in unmittelbarer Nähe verbracht hatte. Er vermisste Logan mit jeder Faser seines Körpers, immer noch, nun mehr denn je, als er hierher wieder zurückgekehrt war. Alles hier auf der Ranch erinnerte ihn an Logan, denn in jeder Nische versteckten sich irgendwelche Erinnerungen, die dafür sorgten, dass sich sein Herz schmerzhaft zusammenzog.
Doch niemals würde er diese Gedanken laut aussprechen: denn es klang, als wäre er gar nicht freiwillig mit Liam zusammen, sondern nur zwangsweise, und das stimmte nicht. Colin wollte mit seinem kleinen Bruder wieder eine Beziehung aufbauen (zum Teil auch, weil er Logan dann beweisen konnte, dass er sich verändert hatte, dass er die bestmögliche Variante von sich sein konnte, ob es nun für Logan war oder nicht), denn es war unfair gewesen, was er Liam angetan hatte und es würde Jahre brauchen, bis er soweit war, dass er es sich selbst nochmal verzeihen könnte. Und so lange wie das dauerte, würde er der beste Bruder sein, den Liam sich vorstellen konnte – und bis dahin würde sich ihre Beziehung hoffentlich wieder normalisiert haben.

Denn momentan war da nicht viel normales an ihrem Umgehen. Klar, es wurde mit jedem Mal einfacher; doch die Stille lag schwer auf Colins Schultern, während er sich Essen vom Buffet aussuchte (bei Weitem nicht mehr so viel wie früher, obwohl er dieses Essen tatsächlich liebte. Aber er war nicht mehr so verfressen wie früher, und das sah man ihm auch an), Nudelauflauf, Salat, Kräuterbaguette und eigentlich war es immer noch eine Menge. Auf Liams Kommentar wusste er nichts zu antworten, bis sie sich auf die Suche nach einem freien Platz machten. Beide Brüder reckten die Hälse, und es dauerte einen Moment, bis Colin zwei freie Plätze fand, die sich gegenüber lagen.
"Da ist noch was!", sagte Colin, und deutete auf die Plätze. Sie machten sich dorthin auf den Weg, und Colin setzte sich mit dem Rücken zum Geschehen: er hatte Logan noch nicht gesehen, und wenn er ehrlich war, würde er keine ruhige Minute bekommen, solange er sich nach ihm umsehen konnte. Deswegen entschied er sich lieber für den Blick aus dem Fenster. Er trank erst einen großen Schluck Eistee, bevor er sich über seinen Salat hermachte.
"Hast du schon deinen Stundenplan gesehen? Oder irgendwelche Zimmerkollegen von dir kennengelernt?"


{ Gespräch mit Liam }

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Joleen Mahone

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BeitragThema: Re: Kantine   Fr Dez 07, 2018 12:56 pm

Joleen hatte in ihrem Leben schon viel mit Hass umgehen müssen. Ganz egal, wie sehr die Leute daran glaubten, dass Amerika das Land der Träume war und dass dort alle Menschen gleich behandelt wurden: sie wusste, dass es nicht so war. Ihre Familie konnte ihre Wurzeln bis in die Sklavenzeit zurückverfolgen, und sie brauchte ihre Verwandten nicht fragen, um zu wissen, dass keiner von ihnen es wirklich leicht gehabt hatte im Leben. Gerade ihre Großeltern packten an den Feiertagen, wenn der Alkohol schon geflossen war, regelmäßig Geschichten von davor aus – aus den Zeiten der Rassentrennung, als es noch normal war, dass Schwarze wie Dreck behandelt wurden. Das zeigte ihr, wie gut sie es mittlerweile hatte, denn sie wurde zwar immer noch an Stellen ausgegrenzt und einige Menschen traten ihr mit ihren Vorurteilen entgegen und benutzten sie als Waffe; doch sie brauchte nicht mehr immer um ihr Leben fürchten, sobald sie von Weißen umgeben war, und sie konnte auch noch an einer Hand abzählen, wie oft sie wegen ihrer Hautfarbe angegriffen worden war.
Doch Robert Shelby, ausgerechnet ihr Vizechef, brachte ihr immer wieder vor Augen, dass sie aber eigentlich doch noch gar nicht so weit waren, wie sie es gerne sein würden. Shelby war ein arroganter Mistkerl, der noch dazu der rassistischste Mensch war, den Jo jemals kennengelernt hatte – und sie war von Menschen, die Neonazis glichen, einmal ziemlich böse zertreten worden. Sie wusste nicht, woran es lag, dass er sie so scheinbar grundlos so sehr hasste; Sebastian hatte es ihr nicht sagen wollen, weil er sich aus solchen Sachen raushielt – er hatte seinen Kollegen zwar deutlich zurechtgewiesen, jedoch keinen Grund gesehen, Joleen in die Geheimnisse, die Robert Shelby umgaben wie eine Mauer, einzuweihen. Sie konnte sich aber schon denken, dass es irgendwas Grausames war, was ihm mal passiert sein musste; denn sie konnte auch sehen, dass er per se kein schlechter Mensch war, und so musste dieser abgrundtiefe Hass in irgendetwas wurzeln, von dem sie nicht wusste. Das war keine Entschuldigung für sein asoziales Verhalten ihr gegenüber, aber es war etwas, das sie beschäftigte, wenn sie ganz ehrlich war.

Veranlasst, sich mit ihm darüber zu unterhalten, fühlte Joleen sich nicht. Vielmehr bereute sie es in dem Moment, dass sie sich neben ihn gesetzt hatte, als er den Mund aufmachte. Seine komplette Haltung veränderte sich merklich, als er bemerkte, dass sie es war, die sich neben ihn gesetzt hatte, und ganz kurz überlegte sie, ob es nicht vielleicht doch etwas Persönliches war, dass dafür sorgte, dass Shelby ihr gegenüber so ein Arschloch war. Den Gedanken verwarf sie, denn sie kannten sich ja gar nicht, und das konnte sie sich noch weniger erklären als seinen Rassismus. Dennoch war es auffällig, wie negativ er auf sie reagierte, und das ließ sie sich kurz umsehen; doch noch immer hatte sie keinen angenehmeren Sitzplatz erspäht, und so war sie wohl gezwungen, sich mit ihm auseinander zu setzen. Einmal mehr wünschte sie sich Lucien zurück – er hätte sie aus dieser unangenehmen Situation retten können.
"Manchmal sieht man sich mehreren unangenehmen Situationen gegenüber, und man wählt die, die am wenigsten unangenehm ist", sagte Jo, und suchte gewollt seinen Blick. Ein leichtes, keineswegs amüsiertes Grinsen schlich sich auf ihre Lippen. "Außerdem foltere ich lieber dich, Shelby, als meine Schüler, die mir noch nie was getan haben." Natürlich war sie auf Krawall gebürstet - Shelby war ihre Nemesis, und Jo eine Person, die nicht zwingend wusste, wann sie ihr Temperament besser hinten an stellte.



{ Gespräch mit Robert }

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Damien Lewis

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BeitragThema: Re: Kantine   Fr Dez 21, 2018 1:25 am

Damiens Teller hatte sich in den letzten Augenblicken nicht wirklich geleert. Seine Aufmerksamkeit hatte sich verlagert und sahen nun die Azubine an, die sich zu ihm gesetzt hatte und mit der er, nicht nur einmal das Bett geteilt hatte. Sie hatten darüber gesprochen, das es nicht mehr war, als das, was es war. Er hatte gemerkt, dass er sein Herz verloren hatte, jedoch war er auch nur ein Mann mit Bedürfnissen. Jedoch würde er dies Maureen nie auf die Nase binden, er wusste jetzt schon, das sie ausrasten würde, wenn sie das mitbekommen würde. Ging es ihm durch den Kopf, nahm einen Bissen von seinem Teller, ehe er seinen Blick kurz durch den Saal wandern ließ.

Er mochte Bri, das konnte er nicht leugnen, sonst würde er ja nicht tun, was er hin und wieder mit ihr Tat, doch er würde nie so weit gehen, dass zwischen ihnen mehr war, als dass, was es war. Innerlich schüttelte er leicht den Kopf über sich selber, jedoch hatte er nie ein schlechtes Gewissen. Schließlich war er nicht in einer Beziehung, ging es ihm durch den Kopf. Schließlich riss ihn Bris Stimme aus seinen Gedanken und er sah sie lange an. „Einige sind noch etwas verstört und von den Beruhigungsmitteln ausgeknockt. Aber keins ist verletzt und sie fangen sich alle wieder, da bin ich mir sicher“ erwiderte Damien auf Bris frage hin. Ein leichtes schmunzeln lag auf seinen Lippen „Bei so hübschen Damen doch immer, ich habe einen Ruf, den ich nicht verlieren darf“ meinte er mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen, ehe er Abermals einen bissen von seinem Teller nahm.

Nachdenklich kaute er auf dem Essen herum, ehe seine braunen Augen wieder Bris Gesicht suchten „Hat die schöne Dame den noch Pläne für heute?“ fragend sah er sie an. Nicht, dass er etwas besonderes im Sinn hatte, jedoch hatte er alles erledigt was Anstand und etwas spaß könnte durchaus nicht schaden. Ging es ihm durch den Kopf und ein scharmantes Lächeln lag auf seinen Zügen.

[Gedanken | Gespräch mit Brianna]

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Samu Kärkäinen
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BeitragThema: Re: Kantine   So Jan 06, 2019 6:47 pm

Lustlos stocherte Samu auf seinem Teller herum, der leerer war als sonst. Normalerweise hatte er für einen Mann seiner Größe einen entsprechenden Appetit und der zeigte sich meistens in überladenen Tellern. Aber diese Portion hier war beinahe – übersichtlich. Und auch viel zu gesund für jemanden, den nichts von einem ordentlichen Stück Steak und einer Portion Pommes abhalten konnte. Das Tourleben hielt schließlich nicht immer das gesündeste Essen bereit.
Doch mehr als ein bisschen Gemüse, das doch eigentlich nur aus Wasser bestand, würde er heute kaum runterbekommen. Alles hier erinnerte ihn an seine gemeinsame Zeit mit Sarah und die Erinnerung schmerzte. Wie so oft beflügelte das zwar seine texterischen Fähigkeiten, sodass seine Collegeblöcke voll mit traurigen Songtexten waren, anstelle von Vorbereitungsaufgaben für das neue Schuljahr. Doch es waren eben traurige Texte und er wollte kein Album produzieren, das einzig und allein aus Herzschmerz bestand, selbst wenn ihm aktuell danach war. Unterm Strich waren diese Texte vermutlich nicht einmal besonders gut.

Er hing so seinen Gedanken nach, dass er erst bemerkte, dass sich jemand zu ihm setzte, als diese Person ihn direkt ansprach. Es war, als würde Samu aus seinem Tagtraum gerissen, denn er blinzelte mehrmals und hatte Mühe seine verwirrte Miene beiseitezuschieben. Dann blickte er in strahlend blaue Augen ein offenes Lächeln und ein erfreutes Gesicht. Sie kam ihm bekannt vor, diese blonde Frau, die vor ihm saß und so unverfroren von der kleinen Welt sprach. Sie kannte ihn offenbar. Gut, das war nicht verwunderlich, wenn man jahrelang durch halb Europa gereist war, aber sie schien nicht einfach nur ein Fan zu sein. Samu hatte das Gefühl, als müsste er sie ebenfalls kennen, als verbinde sie irgendetwas und doch wollte es nicht klingeln. Deswegen sagte er eine ganze Weile gar nichts. Was ebenfalls äußerst untypisch für ihn war. Stattdessen starrte er sie nur an ohne eine Miene zu verziehen, die Gabel immer noch in der Hand.
„Offenbar kleiner als gedacht!“, versuchte er es dann mit einem schiefen Lächeln. Sie war Skandinavierin, das entging ihm nicht. Ihr Englisch war akzentfrei, was für die gute Sprachausbildung der nordischen Länder sprach. Der helle Hautton, sowie Haar- und Augenfarbe unterstrichen diese These. Letztendlich war es aber ihre Stimme, die ihn hatte aufhorchen lassen. Eher deren Klangfarbe. Sie hatte etwas leicht melodisches und Samu war sich sicher, dass er sie bereits einige Male gehört hatte. War sie ebenfalls Musikerin? Das war gut möglich, allerdings grenzte das den Kreis an Personen, die er kannte, nicht unbedingt ein. Musiker kannten immer auch andere Musiker. Ansonsten konnte er nichts Charakteristisches an ihr feststellen, das ihm hätte auf die Sprünge helfen können.
"Schön dich wiederzusehen." Noch konnte er sich etwas Zeit verschaffen, um sich an sie zu erinnern, allerdings war er nie sonderlich gut im Heucheln gewesen.
Die Vermutung, dass sie ein Pferd hatte, lag bei einer Anlage wie dieser nahe, aber das half Samu nicht im Geringsten weiter. Er hätte nicht einmal sagen können, welches Pferd neu war und welches bereits letztes Jahr hier gestanden hatte, wenn er nun durch die Stallungen ging. Abgesehen davon würde er die Stallungen vorerst ohnehin nicht mehr betreten, denn welchen Grund dazu gab es noch, jetzt wo Sarah weg war? Und mit ihr Summer, das einzige Pferd, zu dem Samu je so etwas wie Vertrauen gefasst hatte. Es blieb ihm daher nur zu hoffen, dass sie sich vielleicht doch kurz vorstellte und seinem vollends verwirrten Hirn auf die Sprünge half, ehe sich dieses wieder in die Trauer um seinen Verlust stürzte.

{In Gedanken versunken | Thalia | Versuch sich zu erinnern}

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Robert Shelby

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BeitragThema: Re: Kantine   So Jan 06, 2019 7:16 pm

Es hieß: Jemand, der zur Tieren gut war, konnte kein schlechter Mensch sein, ganz gleich wie unangemessen er sich verhalten mochte. Ob dies wirklich auf Robert Shelby zutraf war sicherlich fraglich, denn er war beileibe niemand, der vor Korruption und dem Frisieren von Zahlen zurückschreckte. Ihm war überaus klar, dass Geld die Welt regierte und dass diejenigen, die nichts davon besaßen, niemals genug Einfluss haben würden, um ihr Anliegen durchzubringen. Darüber hinaus war er vermutlich der Geschäftsmann hier auf dem Hof, wenngleich das vielleicht Leute wie die Traynors abstreiten würden. Tatsächlich war ihm der Name dieser Adelsfamilie bekannt, die in ganze anderen Kreisen wandelte als Shelby selbst. Er wäre niemals gut genug, als dass sie sich mit ihm abgeben würden. Das hatten ihm seinesgleichen oft genug bewiesen. Denn egal wie viel Geld man verdiente, wie erfolgreich man handelte, am Ende blieb der Adel immer unter sich.
Auch das hatte zu Roberts Verbitterung beigetragen, die er tagtäglich mit sich herumtrug. Das Wissen, dass er niemals gut genug sein würde, egal, wie sehr er sich anstrengte. Im Lehrerkollegium hatte ihm das Alistair Traynor oft genug bewiesen. Der blonde Brite war eine widerliche Giftschleuder und Robert musste zugeben, dass er dessen Schüler gewissermaßen um diese unglückliche Lehrerwahl bedauerte. Beinahe so sehr wie diejenigen von Joleen Mahone, wenngleich sie bei ihr vermutlich vor Wutausbrüchen verschont blieben.

Die steife Haltung schaffte Robert nicht mehr abzulegen. Krampfhaft hielt er noch immer Messer und Gabel fest und verspürte einen beunruhigenden Impuls in der Hand mit dem Messer, als Joleen nicht das Weite suchte, sondern stattdessen den Mund aufmachte. Langsam, sehr langsam, drehte er seinen Kopf und richtete den Blick auf die dunkelhäutige Frau neben ihm. Darin lag purer Hass und Abscheu. Jeder konnte darin sehen, dass Robert sie nicht hier haben wollte, dass die wenigen Zentimeter, die sie am Tisch trennten, zu wenig waren. Er presste die Kiefer aufeinander, während seine wasserblauen Augen sie fixierten. „Ach wirklich…“, raunte er leise, dass es fast schon mit den Umgebungsgeräuschen verschmolz. Die Worte wirkten dadurch beinahe bedrohlich, abwartend und angriffslustig zugleich. Zu was war ein Shelby fähig, wenn man ihn verärgerte? Die Leute in Birmingham kannten die Antwort, diejenigen in Texas wohl eher nicht.
„Verzeih, wenn ich dir das nicht abnehme. Sollte es dennoch so sein, lass dir sagen, dass es sicherlich andere Männer gibt, die sich weitaus mehr über deine Gesellschaft freuen würden. Oder einen höchst eigentümlichen Fetisch haben.“ Den letzten Satz raunte er wieder vor sich hin, während er sich wieder seinem Essen zuwandte und tatsächlich einen Bissen herunterbekam. Hier brauchte er wohl kaum etwas fürchten, sie waren immerhin in einem Raum mit zig anderen Leuten, die gesellschaftlich inakzeptables Verhalten an einem weißen Mann sicherlich sofort verurteilen würden. Und auch anderswo war er Joleen kräftemäßig nicht zuletzt aufgrund ihres Größenunterschieds von gut 20 Zentimetern haushoch überlegen – sofern sie keine Waffe bei sich trug. Was er bei einem Jugendinternat mal nicht hoffen wollte, sicher sein konnte er sich bei den Amerikanern jedoch nie. Noch weniger bei den Schwarzen.


{Essen | Joleen | Angriffslustig}

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