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 Aula

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Sheela Verma

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BeitragThema: Re: Aula   Do März 22, 2018 5:31 pm

Man sagte, Menschenkenntnis und Empathie gehörten zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Arztes. Natürlich durfte man fachliches Wissen niemals unterschätzen – was Sheela auch niemals in den Sinn kommen würde, sonst könnte sie ihren gewählten Weg auch zugunsten einer langweiligen Stellung in einer Provinzpraxis im Norden Schottlands aufgeben – aber manchmal mussten beide Kompetenzen auch Hand in Hand gehen. Wenn man nicht erkannte, ob oder warum ein Mensch log, war man von einer guten Anamnese weit entfernt. Motive spielten auch bei der medizinischen Diagnose eine wichtige Rolle. Einmal war ihr in England eine Frau begegnet, die kontrazeptive Mittel nahm und gleichzeitig eine Fruchtbarkeitsbehandlung machen ließ. Sie hatte ihrem Mann nicht eingestehen wollen, dass sie eigentlich keine Kinder wollte. Natürlich hatte Sheela die Symptome gesehen, doch der entscheidende Schluss war erst gekommen, als sie das Fehlen des sehnsüchtigen Blickes bemerkt hatte, als eine Horde Schulkinder das Krankenhaus betreten hatte. Die Inderin hatte den Blick von sich selbst gekannt. So sah keine Frau aus, die innerhalb des nächsten Jahres, Jahrzehnts oder Jahrhunderts schwanger werden wollte. Familie funktionierte auch ohne Kinder und wenn sie nun Alistairs Worten lauschte, seine zur Faust geballte Hand sah und die verkrampften Kiefernmuskeln wahrnahm, wusste sie, dass sie auch deshalb niemals Kinder wollte, damit man nicht so von ihr sprach und dachte. Dennoch spürte sie, dass unter der Wut ihres Gegenübers eine so tiefe Traurigkeit lag, dass sie plötzlich mit einem Brennen in den Augen kämpfen musste. Verbiete dir das Mitleid! Das ist das letzte, was er will!, rief sie sich streng zur Raison, doch ein leichter Kloß blieb in ihrem Hals. Krampfhaft schluckte sie. Wenn sie ihm nur helfen könnte. Aber sie wusste immer noch nicht, was er genau getan hatte, um so bestraft zu werden, und sie kannte Traynor Senior nur vom Sehen aus der Ferne, wenn sie ihre Eltern zu einer Gala begleitet hatte, wo sich Mr Verma und Alistairs Vater zweifellos begegnen mussten. Für einen Blick hinter die Fassade reichte das nicht, zumal sie damals auch Alistair nicht so hatte lesen können wie es sich nun wieder anbahnte. Wieder? Hatte sie ihm an College überhaupt wirklich gekannt? Oder waren sie damals auch zu sehr in ihren jeweiligen Problemen verhaftet gewesen, dass sie sich einander überhaupt nicht hatten öffnen können? War das jetzt anders? Sie würde von sich behaupten, dass sie mit beiden Beinen im Leben stand. Aber was, wenn das Leben kein Fels war, sondern nur ein Weg durch einen Sumpf? Etwas Regen und es würde unter ihr zusammenbrechen? Konnte sie Alistair Traynor, Mr Ich-bin-eigentlich-auch-total-kaputt-und-will-nur-Anerkennung-und-Liebe-kann-das-aber-nicht-zeigen, den Halt bieten, den er vielleicht brauchte? Und selbst wenn sie es konnte – sollte sie?
Als sie dann aber den Blick aus seinen Sturmaugen sah, kämpfte sie vehement dagegen, dass man auch nur die Spur Mitleid in ihrem Blick sehen konnte. Ob es ihr gelang, ihm zu vermitteln, dass er verdammt nochmal doch etwas wert war, wusste sie nicht. Worte brachte sie keine heraus. Zu groß war ihre Angst, dass er hören würde, wie sehr er sie mit diesem Geständnis aus der Fassung gebracht hatte. Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass sich ihre Hand wie von selbst auf sein Knie legte und kurz sein Bein drückte. Es war keine Geste der Verführung, nur ein Zeichen, dass er nicht allein war.
„Ich besorge dann schon mal die Hautpflege für die typisch britischen Urlaubswehwehchen“, scherzte sie zwinkernd, aber mit belegter Stimme. Verdammt, wenn sie einmal ehrlich zu sich sein könnte, würde sie ihn bitten, wenigstens nicht die ganzen drei Monate weg zu sein. Schon der Gedanke daran versetzte ihr einen Stich der Einsamkeit. Dass sie glaubte, auch in seinen Augen eine Spur von Trauer zu sehen, machte es definitiv nicht besser. Und doch wusste sie ganz genau, dass es weitergehen würde wie immer. Sie würden ihre wahren Gefühle überspielen und auf Platons Ebene bleiben, obwohl sie sich wahrscheinlich beide lieber bei Ovid treffen wollten.

„Ist das eine Aufforderung zum Tanz? Das hat man dir aber nicht gut beigebracht!“, erwiderte Sheela grinsend und warf einen Blick aufs Parkett. Auf dem nun Holmes erschien und sich auf die Bühne bewegte. „Ich denke aber, du wirst es später nochmal üben können.“ Mit diesen Worten und einem schiefen Grinsen wandte sie sich von dem Blonden ab und zu dessen Cousin hin. Ähnlichkeiten sah sie zwischen beiden immer noch nicht, allerdings war das bei so unterschiedlichen Familienzweigen und so viel anderem Chromosomenmaterial auch wenig verwunderlich. Sheela schätzte Holmes zwar auch als etwas schwierig ein, aber er war gradliniger und ruhte mehr in sich als Alistair. Wahrscheinlich war er ein typischer Workaholic, der jemanden brauchte, der ihm sehr klar zu verstehen gab, wann Schluss war. Vielleicht würde seine Begleitung für den Abend das ja schaffen, denn die junge Ärztin war sich sicher, dass sie nicht nur an diesem Abend an seiner Seite sein würde. Blicke sprachen ja mehr als tausend Worte. Was auch für das Königspaar an diesem Abend galt. Viel deutlicher hätte auch Paul Ekman, der Entdecker des Mikroausdrucks als nonverbales Kommunikationsmittel, Überraschung nicht beschreiben können. Sheela selbst entfuhr ein Kichern und sie musste sich einfach wieder an Alistair wenden, um sich an seinem Ausdruck über diese amerikanische Unsitte zu weiden. „So viel zur Herrschaft des Volkes und zur Abwesenheit der Monarchie“, grinste sie.


[ALISTAIR | Krönung]

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Damien Lewis

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BeitragThema: Re: Aula   Do März 22, 2018 5:42 pm

In jedem Leben gab es einen Moment, an dem man sich für den richtigen oder den leichten Weg entschied, dumm nur, das Damien diesen Moment schon mehr als einmal gegenüber Stand und komischerweise immer den leichten Weg gewählt hatte. Doch gerade stand er an einem der größten Scheidewege in seinem Leben. Klar könnte er wieder davon rennen und alles für immer verlieren oder er würde das erste Mal in seinem Leben seinen Mann stehen und darum Kämpfen was er liebte. Gott warum muss das Leben nur immer so kompliziert sein ging es ihm durch den Kopf und er fuhr sich wieder einmal durch die dichten dunklen Haare.

Er atmete tief durch, er hatte sich diese ganze Wiedersehenssache ganz anders vor gestellt und jetzt sah es so aus, als dass sie keine gemeinsame Zukunft mehr hatten. Es war echt zum Haare raufen, befand Damien. Was sollte er sagen, schließlich konnte er ihr nicht einfach sagen, dass er nach ein paar Tagen mit einer wild, fremden Frau im Bett gelandet war, nur um den Schmerz etwas zu Lindern, der ihn fast zerrissen hatte. Er blickte in die Shoots, ehe er den ersten auf einen Schluck leerte. „Ich dachte es wäre leichter, einen klaren Schnitt zu machen, als sich noch Monate den Kopf darüber zu zerbrechen was hätte sein können“ meinte Damien ohne sie anzusehen. Das ganze nochmals durch zu leben, zerriss ihn innerlich fast. Ja er hätte sich bei ihr melden sollen, sie vielleicht hin und wieder besuchen können, doch er hatte es nicht getan. „Ich glaube, dich nur eine Minute zu sehen und zu wissen, dass es nicht funktioniert hätte, hätte mich umgebracht.“ Meinte er mehr zu sich als zu ihr und er hoffte, dass dieses Geständnis im lauten Bass der Musik untergehen würde.

Glasige Augen, zum teil durch den Alkohol getrübt, zum anderen Teil durch ungeweinte tränen, welche er nie vergossen hatte, sahen nun doch wieder zu der Frau, welches sein Gryptonit war und er konnte nicht läugnen, dass sich jede Faser seines Körpers nach ihr verzehrte und am liebste hätte er sie nackt in seinem Bett vor sich. Reis dich zusammen Mann, du willst sie zurück also denk dir etwas besseres aus schallte er sich selbst zur Ordnung. Er hob den Kopf und sah Maureen wieder an. „Ich kann gut nachvollziehen das du Angst hast. Nach dem Bockmisst den ich verzapft habe, würde man es sich wohl dreimal überlegen ob man demjenigen noch eine Chance geben würde“ meinte er leicht in Gedanken vertieft. So langsam gingen ihm die Argumente aus. Wie hätte er ihr erklären sollen, was sie ihm bedeutete und vielleicht war in diesem Fall wirklich Sprechen Silber und schweigen Gold, ging es ihm durch den Kopf.

[Maureen]

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BeitragThema: Re: Aula   Sa März 24, 2018 11:41 am

Was war das nur für eine Welt in der sie lebten? Getrieben vom Konsum und der Definition über Besitz. Am Ende des Tages zählten dann doch ganz andere Dinge. Da ging es nicht darum, dass deine Jeans von Armani, deine Uhr von Rolex und dein Hemd von Hilfiger war. Am Ende starb ein jeder. Auch in zerrissener Jeans. Auch im Anzug. Oder gar nackt. Lucien wusste das. Er wusste wahrscheinlich sogar besser als alle anderen hier, was im Leben wirklich zählte. Weil er wusste wie es war, wenn einem das Leben entglitt. Wenn man Tag für Tag im Delirium verbrachte und nichts mehr von der Welt mitbekam. Aber seitdem er diese Welt wieder wahrnahm, etwas von ihr mitbekam, konnte er auch nicht mehr ausblenden, wie schlecht bestellt es um ihn war. Noch immer. Natürlich - da war Mozart. Sein Anker, sein Freund. Für Mozart hätte er sein letztes Hemd gegeben, ganz gleich ob von Boss oder H&M. Für Mozart hätte er auch gehungert und alle seine DVDs verkauft. Aber das war kein Vergleich zu dem, was ihm dieser Abend einmal wieder bewusst machte: Er gehörte nicht dazu. Er besaß diese Weste von seinem Großvater, an den er sich kaum noch erinnerte. Er trug Sneaker auf einem Ball. Und seine einzige Bezugsperson war augenscheinlich seine Lehrerin.
Seine Lehrerin, die Hunger hatte.
Bereitwillig nickte er auf ihren Vorschlag hin, das Buffet aufzusuchen. Rasch nahm er den Caipirinha von der Theke und trank einen großen Schluck. Viel änderte das noch nicht, aber es war ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass der Alkohol jetzt in seiner Hand anstatt nur hinter der Bar ruhte.

Das Buffet sag - gelinde gesagt - köstlich aus. Lucien hatte früher Tage damit zugebracht, nichts zu essen. Weil er kein Geld gehabt hatte. Dieses Buffet war fast wie ein Paradies, bei dem er sich beherrschen musste, sich nicht wie Pascha mitten hineinzusetzen und alle Leckereien auf einmal in sich hineinzustopfen. Sein Teller füllte sich rasch und während sie sich auf den Weg zu einem freien Tisch machten, trat Holmes noch einmal ans Mikrofon. Das Ballpaar. Lucien musste unwillkürlich grinsen. Wenn er sich dieser Gesellschaft auch nicht zugehörig fühlte; das Ballpaar war mit Abstand die lächerlichte Erfindung an Titeln, die man verleihen konnte. Kauend und mit halbem Ohr lauschte er den Worten des Direktos. Der Titel ging an den Pferdetrainer und die tätowierte Lehrerin. Lucien kannte die beiden kaum, weshalb ihm das Ganze noch egaler war. Er hatte nie verstanden, warum man sich aus solcherlei Sachen etwas machte. Es war kein bedeutender Titel wie etwa der Ritterschlag in England, der einem Ansehen verschaffte, es war auch keine Geldprämie darauf ausgesetzt, von der man sich hätte etwas kaufen können. Es war einfach nur - just for fun. Wie dieser Ball.
"Und nach dem Essen geht es dann in den Stall zum Misten oder wie verstehe ich das?" Lag es an dem Essen oder am Alkohol? Luciens Laune hatte sich gebessert und irgendwie umgab ihn ein wohliges Gefühl, wo er jetzt mit Joleen zusammensaß. Sie schien ihn zumindest ein bisschen zu verstehen. Natürlich kannte sie ihn kaum und er kannte sie ebenso wenig, aber das spielte aktuell keine Rolle. Sie verstanden sich irgendwie. Vielleicht auch deswegen, weil nur wenige Jahre zwischen ihnen lagen. Das Grinsen wollte beim Essen nicht mehr seinen Lippen weichen. Ballpaar! Es gab tatsächlich noch Leute, die machten sich daraus etwas.

{Joleen}
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Vincent Traynor

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BeitragThema: Re: Aula   Mo März 26, 2018 1:03 pm

Ein warmes Gefühl breitete sich in Vincent aus, als er Daniel an sich gezogen hatte, um sämtliche Luft zwischen ihnen verschwinden zu lassen. Sein Herz schlug höher, schien Saltos zu springen und aus seiner Brust rausbrechen zu wollen. So fühlte er sich, wenn er mit Blue durch die Parcours raste. So fühlte er sich, wenn er endlich wieder zu Hause war. Zuhause. Der Gedanke erschreckte ihn, und so kam es ihm fast nicht ungelegen, dass Daniel sich von ihm löste und ihn aus großen, ängstlichen Augen anstarrte. Panik blubberte in Vincent auf, denn er wusste ganz genau, was jetzt passieren würde. Der rationale Teil seines Hirns erinnerte ihn, dass es eigentlich dämlich war, deswegen auszurasten - immerhin wusste er schon lange, dass Daniel was besonderes für ihn war. Der irrationale Teil, der in der Regel die Überhand gewann, schrie, dass er rennen sollte, solange er noch konnte.
Dennoch tat es weh, als Daniel sich irgendeine Ausrede zusammenstammelte, deren Inhalt Vincent im Grunde genommen komplett ignorierte, und sich flugs aufmachte in das Cottage, das sie teilten. Weil Holmes, der Trottel, es natürlich als klug empfunden hatte, die Traynors mit anderen englischen Kollegen in eine von seinen dämlichen Hütten zu stecken. Einen Moment lang blickte Vincent Daniel hinterher, rieb sich die Brust, weil sich ein seltsames Gefühl darin breit machte, und weil ihm die Wärme des anderen fehlte, obwohl sie noch kaum die Chance gehabt hatte, sich groß irgendwo auszubreiten. Wenn er ehrlich war, dann war ihm zum Heulen zumute. Das war doch alles seine Schuld. Es war seine Schuld, weil er damals die Sache beendet hatte, weil es ihm zu heiß wurde, weil er Angst hatte, sich auf eine ernsthafte Beziehung einzulassen. Und das hatte Daniel so verletzt, dass er es noch immer nicht schaffte, wieder an ihn ranzukommen. Das konnte er verstehen. Aber. Aber.

"Fuck", Vincent fluchte, strich sich durch die Haare, die dank des hochwertigen Stylingprodukts nicht allzusehr durcheinander gerieten. Er war so weit gekommen. Er war so kurz davor gewesen. Und jetzt hatte er es doch wieder alles vermasselt. "Fuck" Aber im Grunde genommen war es ihm recht. Denn jetzt wusste er plötzlich, was Daniel ihm eigentlich wirklich bedeutete, und das war nicht etwas gewesen, dass er so hatte lernen wollen. Damit musste er erstmal klar kommen, und bevor er sich nicht selbst damit abgefunden hatte, wollte er Daniel auch am Liebsten gar nicht mehr sehen. Die Frage war natürlich, ob er sich überhaupt damit abfinden konnte, dass er tatsächlich in einer Art Abhängigkeit zu Daniel stand - und das, obwohl noch nicht mal irgendwas passiert war.
Er musste hier raus, so viel stand fest. Ins Cottage konnte er nicht. Außerdem brauchte er mehr Alkohol, ansonsten würde der Abend in einem noch größeren Desaster enden. Er hatte es immer schon genossen, seine Gefühle in Alkohol zu ertränken. Also fragte er den Barkeeper nach einer Flasche Whiskey - ihm wurde so etwas nicht verwehrt, ganz egal, wie dumm der Typ guckte -, und dann verließ er die Aula durch die großen Flügeltüren, die ihn zurückführten auf die große Terrasse, auf der die schicksalhafte Begegnung des Abends begonnen hatte. Vor nichtmal einer Stunde. Das war das Längste, das er mit Daniel verbringen konnte. Er wusste immer noch nicht, ob er lachen oder weinen sollte.


{ wird von Daniel stehen gelassen | tbc.: Park }

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Alistair Traynor

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BeitragThema: Re: Aula   Mo März 26, 2018 8:22 pm

Zurückweisung kannte Alistair Traynor nicht. Nie hatte ihm jemand gesagt, dass es Dinge gab, die er nicht erreichen konnte, egal wie sehr er sich anstrengte. Die Zurückweisung, die er durch seinen Vater erfuhr, hatte er bisher nur aus Geschichten gekannt, wobei Edward Traynor gewiss nicht das war, was man einen gütigen Vater nannte. Aber Alistair war damit aufgewachsen und er kannte seinen Vater nicht anders als so, wie er eben war: konservativ, kühl, berechnend. Er war ein Mann der Wirtschaft und er hatte es nicht ohne Grund so weit gebracht. Er hatte das Vermächtnis seines Großvaters zu einem Imperium ausgebaut und ganz London, ja fast ganz England, damit erobert. Er war eine Größe, die seinesgleichen suchte, und immer hatte Alistair geglaubt, er war derjenige, der ihm näher war, als alle anderen. Kein typisches Vater-Sohn-Gespann, dafür waren sie zu gefühlskalt, aber zumindest soetwas wie Geschäftspartner, die sich auf Augenhöhe betrachteten, wenngleich Alistair seinem alten Herrn regelmäßig Respekt zollen musste, wenn dieser sein Unwissen beseitigte. Doch ein einziger, misslungener Coup hatte gereicht, damit der Brite mit den harten Gesichtszügen die Reißleine zog und seinen Sohn nach Übersee schickte. Zusammen mit seinem Bruder. Den Alistair inzwischen immer besser verstehen konnte. Vincent mit seinem "komischen" Studiengang an Geisteswissenschaften stand nur selten in der Gunst von Traynor sr. Natürlich wäre laut Erbrecht er derjenige, der die Firma übernehmen sollte, aber Alistair hatte nicht nur aufgrund seines Studiums die bessere Ausgangslage, was die Firmenführung anbelangte. So langsam begann er zu verstehen, was für Vincent schon fast normal sein musste: dieses Gefühl, keine Fehler machen zu dürfen; nichts wert zu sein, wenn der Erfolg ausblieb; nicht besser zu sein, als irgendjemand von der Straße.
Er sollte ihm nicht Gefallen tun und nach London zurückkehren, um dann dort in der Firma unter den mahnenden Blicken seines Vaters seine Schuld abzuarbeiten. Das tat er doch hier bereits! Aber weitere drei Monate in diesem vermeintlichen Land der Freiheit ohne Sitten und Tradition festzusitzen erschien ihm nur schwer zu ertragen. Er verzog, das Gesicht zu einem schiefen Grinsen, als Sheela meinte, sich um seinen Sonnenbrand kümmern zu wollen. Ja, die britische Haut war empfindlich und die des Adels doch angeblich ganz besonders. "Nur weil du dir keine Gedanken darum machen musst.", gab er spitz zurück. Ein Fauxpas? Im selben Moment, als die Worte gesprochen waren, realisierte er, was er soeben von sich gegeben hatte. Würde Sheela die Anspielung auf ihre Hautfarbe persönlich nehmen? Alistair war sicherlich nicht der unkonservativste Mensch auf dem Planeten, aber rassistische Züge hatte er dann doch nie angenommen. "Pardon." Er hielt ihrem Blick stand. Ausdruck dessen, dass er nicht beschämt war, es aber aufrichtig nicht als Anfeindung gemeint war. Sheela hatte ihn mit ihrem Äußeren immer fasziniert. So makaber es klang, doch Menschen anderer Hautfarben und Kulturen faszinierten einander auch im 21. Jahrhundert noch. Das sollte doch nichts Schlimmes sein. Und schon gar nichts, dessen man sich schämen musste.
Apropos schämen: Aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie Bewegung in die Ecke kam, in der er zuvor Vincent mit seinem dunkelhaarigen Freund ausgemacht hatte. Argwöhnisch drehte er leicht den Kopf, sodass er die Szenerie im Auge hatte, konzentrierte sich aber weiterhin auf Sheela, die ihn seiner schlechten Tanzaufforderung rügte. Halbherzig lächelte er sie an. "Du hättest dich geehrt fühlen sollen, man bekommt nicht alle Tage die Chance mit einem Traynor zu tanzen." So allmählich fand er zumindest einen Teil seines Humors wieder. Machte Sheela ihn wirklich - zufriedener - ausgeglichener - wasauchimmer?

Ihr Gespräch wurde durch die blecherne Mikrofonstimme seines lieben Cousins unterbrochen. Mit einem Augenrollen wandte sich der Brite der Bühne zu, wo der Schulleiter in seinem übertrieben auffälligen Sakko stand. Es war zu viel. Alles an diesem Ball war zu viel. Das Sakko, die Deko, das Essen. Hatte dieses Volk wirklich so wenig Geschmack?
Mit halbem Ohr bekam er mit, was der Schulleiter verkündete. Ballpaar, blabla. Wen interessierte das, was spielte es für eine Rolle? Sein Blick glitt zu Vincent. Der gerade den anderen küsste. Alistairs Haltung gefror ein. Was zum Henker..?! Sie küssten sich tatsächlich, hier in aller Öffentlichkeit. Als wären sie - schwul ...
Das war widerlich! Was dachte sich Vincent? Was sollte das? Er konnte solche Spielchen in seinem Zimmer machen, aber doch nicht hier, das ging einfach zu weit. Sie waren doch keine - Amerikaner. Sheelas Kommentar hörte er fast nicht, doch als er sich ihr wieder zuwandte, war der Kuss vorbei, der Unbekannte stapfte davon und Vincent ergriff die FLucht zur Bar und dann nach draußen.
Sein Blick war abwesend, als er den Kopf zu Sheela drehte. "Was? - Jaja. Entschuldige mich mal kurz." Er erhob sich und ging schnurstracks seinem Bruder nach.

Draußen war niemand. Alle lauschten offenbar, wer das Ballpaar wurde. Sie waren so leicht zufriedenzustellen, die Amerikaner. Auf der Terasse stand, mit dem Rücken zu ihm, nur eine einzige hochgewachsene Person mit einer Whiskeyflasche in der Hand. Er sah irgendwo gen Horizont, als Alistair entschlossenen Schrittes auf ihn zuging, seine Schulter packte und zu sich herumdrehte. "Was - im Namen der Königin - war DAS eben?" Seine zurvor leicht gehobene Stimmung verschlechterte sich augenblicklich wieder. Ein schwuler Bruder war das letzte, was er gebrauchen konnte. Ihr Vater würde sonst etwas werden. Und Alistair bald auch, wenn dieser Alptraum von Amerika nicht bald aufhörte.
{Sheela | -> PARK | Vincent}

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Liam Dearing

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BeitragThema: Re: Aula   Di März 27, 2018 12:54 pm

Wenigstens wusste Liam, was er mit Roxanne tun musste. Frisbee oder Tennisball kamen geworfen ja immer gut an. Wenn es Liams Freunde in Kentucky nicht so gut verdaut hatten, dass er schwul war, würde sie wohl auch die einzige 'Person' sein, die ihn als Freund durch den Sommer begleitete. Liam machte sich jedenfalls jetzt schon Gedanken, wohin er alles mit ihr gehen könnte und Touren, die er mit ihr machen konnte.

Liam wurde jedoch aus seiner Planung geholt, als Levana, die eben noch an der Bar gestanden hatte, jetzt vor ihm stand und fragte, ob es in Ordnung war, wenn sie sich dazu setzte. Freundlich deutete der Fünfzehnjährige auf einen der freien Stühle. "Mach ruhig.", meinte er und lächelte freundlich. Sofort überlegte Liam, was er sagen könnte, nachdem sie sich gesetzt hatte. Ihm fiel nur nichts ein, weshalb er vorerst schwieg und verlegen Richtung der Tanzfläche sah. Es waren da doch einige Paare am Tanzen, was auch Levana neben ihm anmerkte. "Stimmt.", meinte Liam knapp und überlegte kurz, wie er die Konversation am Laufen halten konnte. Ein einfaches 'Stimmt' half da wohl kaum. Da er selber keine Begleitung hatte, bekam er dann doch eine Idee, als er das Mädchen ansah. "Und dich hat keiner gefragt?", fragte er höflich und biss sich kurz auf die Lippe, weil er sich kurz darauf nicht mehr sicher war, ob er da nicht etwas zu weit ging und Levana vielleicht aus Versehen beleidigte. "Ich meine, bei deinem Aussehen kann ich mir das eigentlich kaum vorstellen.", ergänzte er daher. Liam war vielleicht schwul, aber nicht blind. Er selbst hätte zwar eine andere Farbe gewählt, aber dank dem leichten Muster stand es ihr sehr gut. Der eher unauffällige Schmuck rundete das ganze ab und ihre Schminke war so dezent, dass es kaum auffiel, dass sie überhaupt welche trug. Liam selbst trug nur einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und parisroter Krawatte ohne Muster. Er hatte keinen Partner, für den er sich hätte wirklich aufbrezeln müssen, und er wollte auch eher weniger auffallen. Das erste, was Colin auf der Heimfahrt zu ihm sagte - falls er überhaupt mit ihm reden würde - sollte nicht sein, dass Liam ihn irgendwie blamierte, weil er sich 'zu nuttig' angezogen hatte oder zu deutlich gezeigt hatte, dass er schwul war. Kurz huschte Liams Blick nochmal durch den Raum, in der Hoffnung, den Bruder doch irgendwo zu entdecken. Er würde sich mit ihm mal endlich aussprechen müssen. So wie jetzt, konnte das zwischen ihnen doch nicht weiter gehen.


{Gespräch mit Levana}

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Joleen Mahone

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BeitragThema: Re: Aula   Do Apr 05, 2018 10:33 am

Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit hatte Joleen einfach nur auf nüchternen Magen zu viel getrunken. Sie hatte den halben Tag damit verbracht, ihre Pferde zu trainieren, und irgendwie war da keine Zeit mehr übrig geblieben für die ausgewogene Ernährung, auf die sie sonst so penibel achtete. Stattdessen hatte sie irgendwie gar nichts gegessen, wenn sie jetzt so darüber nachdachte, und vermutlich waren ihr ihre zwei Drinks deswegen auch schon zu Kopf gestiegen. Und daran musste es dann auch liegen, dass sie sich fühlte wie ein junges Mädchen, das ihrem Schwarm gegenüberstand.
So ein seltsames Phänomen.
Natürlich hatte Jo schon gedatet, sie hatte sogar zwei ziemlich lang anhaltende Beziehungen geführt mit Jungs beziehungsweise jungen Männern, die sie sehr geliebt hatte. Aber die letzte Beziehung war vor wenigen Jahren auseinandergegangen - im Guten, aber dennoch - und seitdem hatte sie es irgendwie nicht geschafft, sich um ihr Liebesleben zu kümmern. Ab und zu war sie mal auf das eine oder andere Date gegangen, und erst bevor sie zur Ranch gekommen war, hatte sie sich den letzten freien Sommer mit einer kleinen Romanze vertrieben. Sie wusste also, wie diese Herzensangelegenheiten funktionierten. Sie wusste auch, dass Lucien garantiert niemand war, für den sie sich auch nur im Ansatz interessieren sollte. Selbst, wenn er nicht ihr Schüler wäre; er war auch einfach nicht ihr Typ.

Trotzdem wurde ihr jedes Mal warm ums Herz, wenn sie ihn ansah. Und sie konnte nicht anders, als ihn neugierig zu beobachten, während sie sich gemeinsam über das Buffett hermachten. Sein Teller füllte sich schnell, während ihrer relativ leer blieb - denn obwohl sie den ganzen Tag nichts gegessen hatte und auch, wenn sie richtig Hunger hatte, wusste sie, dass es ein Fehler sein würde, sich jetzt auch noch mit dem ganzen leckeren Zeug hier vollzustopfen. Also nahm sie nur hiervon und davon ein wenig, während sich auf dem Teller ihres Auszubildenden immer mehr stapelte. Sie fand es nicht schlecht, ganz und gar nicht - er war so ein Hungerhaken, da musste ja irgendwas auf die Rippen. Der Gedanke brachte sie zum Schmunzeln.
Sie setzten sich, und schlugen natürlich sofort zu. Das ganze Rumgehampel um das Ballpaar ignorierte Joleen geflissentlich - es gab Sachen, die interessierten sie einfach nicht. Und es ging sie auch nichts an, dass Phillip und Rebecca Händchen hielten und einfach zu zuckersüß verliebt aussahen. Da war ihr Essen deutlich interessanter, einfach nur, weil sie davon profitierte. Oder Lucien, der war auch interessanter. Da konnte sie allerdings nicht sagen, warum.

Seine Frage brachte Joleen zum Lachen. "Ganz so schlimm ist's auch wieder nicht!", erwiderte sie fröhlich, und freute sich insgeheim, dass sie es mittlerweile geschafft hatte, so nah an Lucien ranzukommen, dass er mit ihr scherzte. Das war ein weiterer kleiner Erfolg, den sie feiern konnte - und das würde sie. Immerhin hatte Sebastian den Abend zum Feiern ausgelegt. "Aber der Hund müsste gleich nochmal raus, am Ende schlägt sie mir noch die ganze Bude kurz und klein." An sich war das eine Lüge. Asga würde vermutlich schlafend in irgendeiner Ecke liegen, und selbst, wenn sie wach war, würde sie nicht das Cottage auseinander nehmen. Aber es war eine gute Ausrede, um sich gleich, ähnlich wie der eine reiche Brite, eine Flasche irgendwas von der Bar zu holen und sich damit aus dem Staub zu machen.


{ Gespräch mit Lucien }

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Rahel Goldman

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BeitragThema: Re: Aula   Do Apr 05, 2018 7:00 pm

Hatte sie sich verliebt? Eigentlich müsste Rahel diese Frage problemlos beantworten können, immerhin war sie schon so verliebt gewesen, dass sie eine Ehe eingegangen war. Und doch zögerte ihr Verstand noch davor, etwas zuzugeben, das ihr Herz ihr längst überdeutlich entgegen schrie. Ihre Augen hingen an Sebastian, nahmen jedes Detail eines Gesichtes war, jeden Funken seiner Mimik, die selten so belebt war wie in diesen Augenblicke, während sie aßen, scherzten und redeten. Sie genoss das Spiel seiner Augenbrauen, das amüsierte Zucken seiner Oberlippe, ehe sich ein echtes, breites Lächeln bildete. Manchmal kräuselte sich seine Nase ein wenig und auf seiner Stirn zeigten sich längst die ersten Denkfalten, die bei jungen Menschen fehlten. Doch am bemerkenswertesten waren seine Augen – so klischeehaft das sein mochte. Rahel hätte schwören können, dass nicht einmal Jon sie so angesehen hatte, als sie zum ersten Mal ausgegangen waren. Sebastians Blick war intensiv, so intelligent, dass es bei einem Menschen, dem sie weniger Vertrauen entgegenbrachte, einschüchtern hätte wirken können. Mindestens einmal hatte sie das Gefühl, sich zur Raison rufen zu müssen, weil sie so in dem dunklen Braun versank, dass es ihr schwerfiel, den Worten Beachtung zu schenken. Sie hatte das mädchenhafte Bedürfnis, eine Haarsträhne zu zwirbeln und mehr als einmal suchte sie kleine Berührungen, nur des Kontaktes wegen. Es war aufregend, verwirrend und doch so einfach. Vertraut und doch so neu, weil Sebastian wirklich wertschätzte, was sie sagte. Sie erkannte es in seiner Miene, in der bedachten Art, wie er auf das antwortete, was Bedeutung hatte. Und auch so wollte ihm diese Aufmerksamkeit entgegenbringen. Nicht nur heute Abend.

Als sich Sebastian dann auf die Bühne verabschiedete, spürte sie seine Abwesenheit fast körperlich. Und doch gestattete ihr der Auftritt, sich dem Anblick seines Körpers zu widmen, ohne dabei Gefahr zu laufen, einem Gespräch nicht mehr folgen zu können. Vielleicht war das Sakko etwas zu gewagt, doch es störte sie nicht. Sebastian trug es mit so viel Selbstbewusstsein wie wohl nur wenige andere. War er in anderen Bereichen wohl auch so selbstbewusst? Wie würde sie damit umgehen können? Wenn dieses Date gut verlief, würde sie sich mit diesen Fragen befassen müssen. Unsicherheit wurde zu einem Knoten in ihrem Magen. Natürlich war da Jon gewesen und eine winzig kurze Beziehung nach ihm. Doch sie wollte keine Affäre mit Sebastian. Sie wusste, dass der Prinz auf dem weißen Pferd eine riesige Illusion war. Manchmal half Wissen jedoch wenig.
Dass Phillip und Rebecca das Königspärchen stellten, überraschte Rahel schließlich ehrlich. Sie hätte erwartet, dass die Krönchen an jemanden aus der Schülerschaft gehen würden – immerhin begeisterten sich Teenager doch sehr für den sozialen Status, falls sich da seit ihrer Schulzeit und den berüchtigten Jahrbüchern nichts geändert hatte. Umso mehr freute sie sich über die Anerkennung, die dem ruhigen Phillip zukam. Auch wenn er ziemlich dumm aus der Wäsche schaute, was sie zum Lachen brachte. Die Zeremonie mochte klein und vielleicht etwas knapp ausfallen, aber sie hob Rahels sowieso schon hervorragende Stimmung auf einen weiteren Höhepunkt. Am liebsten hätte sie gejubelt oder Grimassen geschnitten – aber dazu fehlten doch etliche Drinks. So beließ sie es bei einem breiten Grinsen, als Sebastian sich schließlich wieder zu ihr setzte. „Wusstest du, dass es die beiden werden würden?“, fragte sie den Zeremonienmeister mit einem verschwörerischen Unterton.


[Sebastian | Krönung | und wieder Sebastian]

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Hazel McMillan

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BeitragThema: Re: Aula   Do Apr 05, 2018 7:22 pm

Niemals hatte Hazel so einen brennenden, stechenden, ziehenden Schmerz gespürt wie nach Logans Worten. Alles denkbar. Bei Ira dann auch? War der Junge, der Mann, in den sie sich so sehr verliebt hatte, dass es sie in jede erdenkliche innere Achterbahn katapultiert hatte, wirklich schwul? Das durfte doch nicht wahr sein! Wie würde sie denn darüber hinwegkommen?! Das ging doch gar nicht! Das war einfach nicht… so war das erste Mal verliebt zu sein nicht geplant! Das durfte einfach nicht sein. Am liebsten hätte Hazel auf der Stelle zu weinen begonnen – die Tränen brannten schon in ihren Augen – doch sie wollte sich diese Blöße nicht vor Logan geben. Nur weil sie gehofft hatte, dass sie vielleicht auch einmal Glück mit den Jungs haben würde. Dass sie den ersten Kuss vor dem achtzehnten Geburtstag erleben würde. Und dass dieser Kuss voller Bedeutung stecken würde, weil sie ihn mit jemandem teilte, den sie liebte. Oder in den sie zumindest verliebt war. Himmel, sie wusste gar nicht, wo ihr der Kopf stand vor lauter Unglück!
Das Essen vom Buffet lag ihr mit einem Mal schwer im Magen und sie konnte nur auf ihren Teller starren. Wahrscheinlich konnte man ihr jedes Gefühl vom Gesicht ablesen. Etwas dagegen unternehmen, konnte sie trotzdem nicht. Nicht einmal von Geschehen auf der Bühne bekam sie etwas mit. Erst Logans banale Frage nach Lady riss sie wieder aus dem Strudel des Schmerzes, der ihr Herz entzweiriss.
„Auf… auf meinem Zimmer. Ich muss nachher nochmal mit ihr raus“, antwortete sie mechanisch und hob zum ersten Mal wieder den Kopf, ehe sie gequält lächelte, als ihre Begleitung sich für sein Verhalten entschuldigte. Sie war Britin! Sich so gehen zu lassen, war vollkommen untypisch für die Menschen von der Insel. Und Logan hatte es nicht verdient, dass er sich schlecht fühlte, bloß weil sie… weil sie so unfassbar dumm war und sich in einen Homosexuellen verliebt hatte. Bloß, weil sie das Gefühl hatte, dass ihr Herz in Trümmern lag. Nein, sie war es sich, ihrer Herkunft und ihrem Kumpel schuldig, dass sie sich zusammenriss.
„Ach was, ich bin selbst etwas abgelenkt. Aber das können wir jetzt ja ändern… Ist klar. „Wie verbringst du denn die Ferien? Und was passiert mit deinem Pferd? Lässt du es hier?“ So wenig ihr das Thema Pferde immer noch zusagte – normalerweise lockerte das die Zungen aller anderen Hofbewohner hier.

[Logan]

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by Moon
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Sebastian Holmes

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BeitragThema: Re: Aula   Di Apr 10, 2018 7:03 am

Sebastian war nicht besonders überrascht von dem Ergebnis der Ballpaarwahl. Derzeit gab es eigentlich nicht besonders viele schöne Pärchen in den Reihen der Schüler - und das Traumpaar, das sich angebahnt hatte, hatte sich nicht offen zeigen wollen, wie ihm aufefallen war, und so war es dann gekommen, dass es sich irgendwie zwischen den erwachsenen Personen auf dem Hof entschieden hatte. Das war womöglich genauso spannend für die Schüler, wenn er überlegte, wie viele am Ende für Phillip und Rebecca gestimmt hatten; die meisten von ihnen waren solche Tratschtanten, dass sie es liebten, sich in irgendwelche Gerüchte reinzusteigern. Sebastian interessierte es an sich weniger, ob nun wirklich zwischen seinen beiden Kollegen etwas lief oder nicht. Das einzige, was für ihn zählte, war dass auf dem Gesicht seines alten Freundes endlich wieder ein echtes Lächeln stand. Und wenn er dafür Rebecca brauchte, dann war doch alles gut.
Sebastian gratulierte den Beiden und scherzte mit ihnen ein wenig auf der Bühne, bevor er sich selbst zurück zum Tisch auf machte - zumindest für den Moment. Schon früh landete sein Blick auf Rahel; auch sie strahlte heute Nacht, wie er es selten gesehen hatte. Sie war so wunderschön. Dieser Gedanke brachte ihn etwas aus dem Gleichgewicht, doch er hörte nicht auf, sie direkt anzusteuern. Sie war wunderschön, und er war in sie verliebt, und heute Abend würde er es ihr sagen und ihr zeigen. So viel stand ja mittlerweile fest. Er war vielleicht überhaupt nicht gut darin, seine Gefühle zu zeigen oder darüber zu reden; aber für Rahel war er mehr als bereit, es zu versucen.

"Nein, ich wusste es nicht, eins der Schülerkommitees hat die Stimmen gezählt.", sagte Sebastian ehrlich auf ihre Frage, als er sich zu seiner Begleitung für den Abend gesellte - nur setzte er sich nicht, sondern blieb stehen, grinste sie unverhohlen glücklich und verliebt an. "Würdest du mit mir tanzen?", fragte er. Was niemand sah: das Mikrofon von eben schlummerte in seiner Hosentasche, ausgeschaltet für den Moment. Aber Rebecca und Phillip glaubten doch nicht wirklich, dass sie ohne einen ersten Tanz davonkommen würden? Und natürlich würde Sebastian sich das nicht nehmen lassen, ebenfalls die Tanzfläche zu Stürmen; jedenfalls beim ersten Tanz, der definitiv ein Standardtanz sein sollte, ein Walzer oder ein Discofox. Er wusste es nicht. Hatte er womöglich doch zu viel Macht den Schülern überlassen?


{ Krönung | zurück bei Rahel }

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Samu Kärkäinen
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BeitragThema: Re: Aula   Mi Apr 25, 2018 9:41 am

Galas wie diese, sind nichts für Menschen wie dich. Wie oft hatte er solcherlei Sätze gehört. Das Erschreckende war: Vermutlich stimmte es sogar. Es war nicht seine Welt und es war nicht sein Privileg Bälle zu besuchen. Stattdessen hatte er Zeit seines Lebens damit verbracht in irgendwelchen heruntergekommenen Kneipen kühles Bier zu schlürfen und sich die Seele aus dem Leib zu singen. Aber war es so viel schlechter gewesen? Samu fand das nicht, denn er hatte in diese Welt hineingepasst. Er hatte seine ausgetretenen Chucks und das Holzfällerhemd bedenkenlos tragen können. Der Geruch von Schweiß und Bier hatte ihn nie gestört, sondern eher noch beflügelt und das Einzige, das gezählt hatte, war das Feedback des Publikums gewesen. Manchmal vermisste er diese hemmungslosen Zeiten.
Jetzt stand er an genau so einem Ort, bei dem er nie geglaubt hatte, dass er ihm noch einmal beiwohnen würde. Natürlich war die Aula schön geschmückt und man hatte sich Mühe gegeben. Und im Gegensatz zu den wirklich hochrangigen Bällen des Landes war das hier wahrscheinlich nur ein schlechter Abklatsch. Aber es war trotzdem etwas Besonderes. Weil er den Moment mit Sarah teilte und deswegen war es beinahe so perfekt wie ein Kneipenauftritt. Wenn auch der Anzug mit den geraden Schnitten etwas störte. Er war nie der elegante Typ gewesen. "Na, ich hoffe zumindest deine Begleitung kann mithalten." Samu zwinkerte der Rotblonden zu. Sarah war sicherlich noch alleine zu ihren Edelgalas gegangen und die Typen, die sich dort so tummelten, waren Samu in Sachen Erfolg, Eleganz und gutem Aussehen wahrscheinlich haushoch überlegen. Zumal sie wussten, was die Gepflogenheiten bei so einem Ball waren. Samu interessierte da eigentlich nur eines: Ab wann war es ok sich ans Buffet zu stellen?
Gerade als er beinahe zu einer Antwort für diese Frage gekommen war, erhob Holmes noch einmal seine Stimme. Nur mit halbem Ohr hörte Samu hin, der Hunger lenkte ihn ab. Doch dann brandete Applaus auf und er begriff, dass soeben das Ballpaar gekrönt worden war. Phillip und Rebecca. Zwei Kollegen, die Samu beide sehr schätzte. Und die zwei schienen sichtlich überrascht über diese Ergebnis, so verblüfft wie sie sich ansahen. "Nein, aber ich habe auch nie so ganz den Sinn von dieser Ballpaarsache verstanden." Er lachte kurz. Ja, er hatte nicht viel Sinn für soetwas, aber an diesem Abend war er bereit, sich diese Welt einmal anzusehen und ein wenig in den Glamour abzutauchen. Auch wenn es nur ein Schulball war. "Können wir nun essen oder muss man dafür noch abwarten?" Manchmal erinnerte Samu vielleicht mehr an einen quengelnden Teenager als einen 30-Jährigen Lehrer. Gewissermaßen machte aber auch das seinen Charme aus. Er war keiner dieser Erwachsenen, die alles besser wussten und sich über andere stellten. Und bevor er von Sarah aus Parkett geschleift wurde, brauchte er definitiv noch etwas im Magen.

{Sarah}

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BeitragThema: Re: Aula   Mi Mai 02, 2018 2:01 pm

Zwar war Lucien durchaus bemüht, nicht alles in sich hineinzuschlingen, aber das fiel ihm sichtlich schwer. Dafür war das Essen einfach zu lecker und so wanderte Happen und Happen in seinen Mund und der Teller leerte sich fast so rasch wie er sich gefüllt hatte. Man hatte ihm nunmal auch nie beigebracht, was genussvolles, entspanntes Essen bedeutete. In seinem früheren Leben hatte er immer zwischen Tür und Angel gegessen, was er eben so in die Finger bekam. Hatte es oft hinunter gewürgt, weil er Geschmack nicht mehr besonders gut war, aber er eben etwas im Magen brauchte. Langsam essen kannte er also kaum, hatte erst im Rehabilitationsprogramm gelernt, dass Essen auch in rauen Mengen zur Verfügung stehen konnte und man nicht aufpassen musste, dass man noch etwas abbekam. Wenn es aber etwas besonders Leckeres gab fiel es ihm schwer, nicht in den Automatismus zu verfallen, der sich über die Jahre eingebürgert hatte, selbst wenn ihm sein Ursprung nicht mehr so bewusst war.
Nur allmählich begann Lucien langsamer zu kauen, als er spürte, dass sich sein Magen füllte. Jetzt konnte er sich auch wieder mehr auf seine Umwelt konzentrieren. Eigentlich interessant, dass so ein gebildetes Wesen wie der Mensch von so einfachen Trieben wie Hunger aus dem Gleichgewicht zu bringen war.
Um das Ballpaar machten einige der Umstehenden großes Aufsehen, was Lucien zwar interessiert aber auch argwöhnisch beobachtete. Es war doch nur ein Spaßtitel! Wie HotDog-König oder so.
Joleen hatte sich am Buffet weitaus mehr zurückgehalten, doch Lucien würde das nun wirklich nicht kommentieren. Er hatte es selbst immer gehasst, dass ständig alle möglichen Leute an seinen Essgewohnheiten herumgemäkelt hatten. Joleen würde ihre Gründe für ihre Zurückhaltung haben, vielleicht hatte sie auch einfach keinen Hunger. Es musste ja nicht immer alles gleich Mager- oder Esssucht sein. Dass sie aber offenbar möglichst rasch den Ball wieder verlassen und mit Asga durch die Gegend streifen wollte, enttäuschte ihn dann doch ein wenig. Natürlich hatte er sich auch nicht sonderlich auf diesen Ball gefreut, aber seitdem er Zeit mit Joleen verbrachte war dieses ganze Event weitaus weniger schlimm. Beinahe hätte er enttäuscht dreingeblickt, doch er bemühte sich seine Gesichtszüge im Zaum zu halten. Ein „Oh – ach so“ kam ihm dann aber doch über die Lippen und ließ erahnen, was er dachte.
„Nun, dann ist es wirklich besser, wenn du wohl noch einmal nach ihr siehst.“ „Ich werde dann so lange einfach hier bleiben und mir den Bauch weiter vollschlagen, bis ich alleine viel zu früh ins Bett gehe.“ Was hatte er sich auch erhofft? Dass seine Lehrerin auch noch diesen ganzen Abend mit ihm verbrachte, wo sie ihn sonst die ganze Woche über schon ständig an der Backe hatte? Das konnte er nun wirklich nicht von ihr erwarten, sie war nicht die Heilsarmee. Aber irgendwie hatte sich ein Teil von ihm danach gesehnt nicht mehr ständig allein zu sein. Sein Grinsen war zu einem schüchtern, leicht traurigen Lächeln geworden, ehe er rasche den Blick abwandte und den letzten Rest von seinem Teller aufaß. Am Ende würde wohl nur er und der Alkohol übrig bleiben, also leerte er das noch fast volle Cocktailglas mit einigen, wenigen Zügen. Wenigstens das hatte ihm die Straße geleert und er spürte, wie ihm der Alkohol in den Kopf stieg. Er würde sich diesen Abend schon betäuben können, wenn auch kein Gras, LSD oder dergleichen aufzutreiben war. Es gab immer Möglichkeiten.

{Joleen}
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Rahel Goldman

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BeitragThema: Re: Aula   Do Mai 03, 2018 9:08 pm

Im ersten Augenblick, als Sebastian vor ihrem Tisch stehen blieb, war Rahel verwirrt – gab es gleich den nächsten Programmpunkt? Musste er schon wieder auf die Bühne, um irgendetwas anzukündigen? Warum konnte sie sich das alles gerade nicht merken, obwohl es nur Kleinigkeiten waren und sie eigentlich nicht blöd war? Dann jedoch schoss ihr eine Welle freudiger Erregung durch den Körper und sie wusste mit einem Mal genau, wie sich Cinderella gefühlt haben musste. Aufgeregt, geschmeichelt, berauscht. So sehr sie sich auch dazu anhielt, nicht naiv zu sein, sich nicht wie ein kleines Mädchen zu benehmen, sondern wie die Frau, die sie inzwischen wirklich war, wie die Erwachsene, die sich mit Gefühlen auskannte, sie konnte es nicht verhindern, dass man ihr die ganze Freunde über die Aufforderung und darüber diesen Moment mit einem Mann zu haben, der ihr wirklich viel bedeutete und der britisch und wohlerzogen genug war, um tatsächlich tanzen zu können, ansehen konnte. Sie strahlte und erhob sich so geschmeidig, wie es in dem Kleid möglich war, von ihrem Stuhl.
„Es wäre mir eine große Ehre“, antwortete sie. Sebastians Hand fühlte sich warm und groß an, beschützend. Trotz ihrer Schuhe war sie noch etwas kleiner als ihr Begleiter und es fühlte sich so richtig an, neben ihm auf die Fläche zu gehen und darauf zu warten, dass die Musik einsetzte, dass es ihr den Atem verschlug. Sie würde ihm zeigen, wie sie zu ihm stand. Vorbei die Monate der Freundschaft – sie wollte mehr und sie war wieder bereit dazu, es zu versuchen. Durch diesen Gedanken mutig geworden, suchte sie seinen Blick, verlor sich in den braunen Augen, den kantigen Zügen. Im nächsten Moment setzte die Musik ein, schwebte durch den Raum und schien ihr Flügel zu verleihen. Ohne Zögern, ohne Bedenken ließ sie sich von Sebastian in Tanzhaltung bringen und dann gab es keine Kollegen, Lehrer und Schüler mehr. Die Welt schrumpfte auf sie beide zusammen, auf ihre Hand in seiner, auf den Arm, der sie hielt.


[Sebastian | bereit zum Tanz]

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Logan Cunningham

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BeitragThema: Re: Aula   Mi Mai 09, 2018 11:32 am

Während Hazel selbst ein wenig blass um die Nase wirkte, nachdem Ira und Colin verschwunden waren, spürte Logan seine eigenen Fäuste viel zu verkrampft auf seinen Oberschenkeln liegen. Natürlich lag das nicht daran, dass er sich derzeit ausmalte, was genau sein bester Freund und dessen neue Errungenschaft gemeinsam trieben, nein. Es waren seine Schwierigkeiten mit seinem Wallach, beispielsweise, dass dieser sich derzeit versuchte den Hilfen wieder ein wenig zu entziehen, um nicht ordentlich gearbeitet zu werden. Oder aber daran, dass er noch seine Schwester anrufen wollte, diesen Anruf jedoch jeden Tag weiter nach hinten schob aus Sorge, sie könne ihm seine eigentlichen Probleme anhören. Obgleich Leslie ein Jahr jünger war als Logan empfand dieser es beinahe als habe er eine Zwillingsschwester und nicht schlicht einfach nur eine Schwester.
Mit einem gequälten Seufzen lockerte er seine Fäuste ein wenig, versuchte sich Colin aus dem Kopf zu schlagen und musterte Hazel besorgt. Ihr schien das Gesehene weitaus mehr auf den Magen zu schlagen und ein Teil im Siebzehnjährigen war versucht ihr tröstend eine Hand auf den Arm zu legen, ihr zu zeigen, dass er für sie da wäre in dieser unangenehmen Situation. Doch er haderte mit sich selbst. Die Gepflogenheiten dieser Art waren ihm durchaus vertraut, doch wusste er nicht genau wie die junge Britin auf derartige Annäherungen reagieren würde. Somit ließ der Dunkelhaarige den Moment verstreichen, fuhr sich durch das dunkle, lockige Haar und strich gedankenvoll mit dem Zeigefinger über den Rand seines Glases.

Unterdessen wurde das Königspaar gekürt, Mr Holmes verlas die Namen von Philip und Rebecca, sodass Logan diese mit höflichem Klatschen beglückwünschte und es dabei bewandern ließ. Beide kannte er kaum gut genug um ihnen persönlich zu gratulieren, einmal ganz ab davon, dass beide Erwachsenen Trainer und oder Lehrer waren. Keine Menschen, zu denen der Dunkelhaarige ein besonders emotionales Verhältnis pflegte und damit auch nicht beginnen würde.
Die Worte Hazels ließen ihn in seiner Melancholie blinzeln, dann schließlich nicken. Etwas in die Richtung hatte er ja bereits vermutet, es wäre seltsam gewesen, etwas anderes anzunehmen. Die Stille kehrte zurück und auf seine leise gemurmelte Entschuldigung hin lächelte sie gequält, auch ihr ging es dieser Tage nicht sonderlich gut. Ein bedeutend dunklerer Teil in ihm selbst fragte sich, ob es lediglich daran lag, dass Ira sich anderweitig umgesehen hatte oder ob es doch am Geschlecht seines Partners lag. Die Frage brannte ihm schon beinahe auf der Zunge, doch Logan wusste, dass dort lediglich die eigenen Zweifel aus ihm sprachen, sodass er die Worte rasch wieder hinab schluckte, ehe er damit noch weiter Chaos stiften konnte.
»Dann passen wir ja heute gut zusammen.« Verlegen grinste er, eine etwas verrutschte Variante, ehe er leise lachte. Wir ändern das heute. Es klang so erfrischend selbstsicher, dass Logan beinahe daran glauben wollte, doch er ahnte, dass es so einfach nicht werden würde. Weder für ihn, noch für Hazel. Er sah sie nachdenklich an. »Eigentlich hatte ich geplant hier zu bleiben und mit -«, abrupt unterbrach er sich, räusperte sich verlegen und bemerkte im gleichen Augenblick, dass sein Plan zum Scheitern verurteilt war. Also begann er ein zweites Mal, dieses Mal bedeutend leiser als zuvor, ein Hauch von Trauer in den Augen. »Ich bleibe hier, Vexillatio auch. Und du? Fährst du nach Hause?« Er erinnerte sich daran, dass Hazel eine der wenigen menschen war, die Pferden nicht so richtig etwas abgewinnen konnte. Es respektierte das, immerhin würde er sie nicht dazu zwingen wollen einem Turnier beizuwohnen, aber interessieren tat es ihn schon, wieso sie ausgerechnet hier gelandet war. Aber auch hier ahnte Logan, dass ihre Freundschaft noch nicht tief genug reichte, um dieses Thema aufzubringen.




{ Gespräch mit HAZEL}

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Nicole Oak

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BeitragThema: Re: Aula   Mi Mai 09, 2018 12:07 pm

Es glich einem kleinen Wunder und Niké wusste es. Nicht umsonst ähnelte ihr Spitzname den der griechischen Göttin des Sieges, denn als ein solcher durfte es durchaus gewertet werden, dass Mr King nun als ihre Begleitung für den Abend fungierte. Zugegeben, anfangs hatte der Rotschopf kaum an die Möglichkeit gedacht, dass Bryan sich dazu herablassen würde - und dennoch stand er hier. Mit einem zufriedenen Lächeln hatte sie ihn gemustert, ihm einen zarten Kuss auf die Wange gehaucht und im gleichen Atemzug seinen Anzug bewundert. Er sah bereits in Alltagskleidung verboten gut aus, etwas, was der Anzug nun noch weiter unterstrich.
Ein sonderbares Gefühl, zudem nicht einzig die Rothaarige die Attraktivität des rauen Naturburschen neben sich bemerkt hatte. Somit hatte sie den Stallburschen kurzerhand mit sich zur Bar gezogen, etwas zu Trinken bestellt und ihm mehr oder minder ein Ohr abgekaut. Es erstaunte sie noch immer, dass Bryan ihr bis hierhin nicht bereits den Kopf abgerissen hatte, zudem sie sich noch deutlich an den Abend erinnerte, als sie in der Bar gewesen waren. Große Menschenmengen schienen ihm nicht zu behagen und in einen Anflug von Mitleid wollte Niké ihn bereits aus diesem Dilemma fort bringen, als Sebastian auf die Bühne trat.

Schlagartig kehrte Stille ein, die Musik wurde leiser gedreht und die dunkle Stimme des Direktors trug über die Menschen hinweg die Namen des Paares, welches an diesem Abend Königspaar sein würde. Mit vor Freude glänzenden Augen jauchzte Niké leise, als sie den Namen von Philip hörte und reckte sich, um diesen mitsamt seiner Begleitung gut sehen zu können. Sie versuchte seinen oder Beccas Blick zu erhaschen, hob die Daumen empor und fuhr schließlich lachend wieder auf ihren Sitz nieder.
Bryans Worte verpassten ihrer Freude einen kleinen Dämpfer und irritiert musterte sie ihn von der Seite. Er wirkte weder erfreut über diesen Abend, noch allzu erpicht, ihn fortzusetzen. »Da spricht doch nur der Neid aus dir, Bryan.« Sachte neigte sie ihr Haupt, sodass ihr langes, zu einem halben Dutt am Hinterkopf zusammengefasstes Haar in sanften Bewegungen über ihre Schulter glitt. Grinsend wies sie in die Richtung, in welcher Lip und Becca verschwunden waren. »Du würdest eine wunderschöne Ballkönigin abgeben. Ehrlich. Ich hätte dich auf jeden Fall gewählt.«
Sie kicherte leise bei der Vorstellung, griff nach ihrem Glas und stürzte den Inhalt in einem Zug hinab. Verdammt, das war zu schnell gewesen! Hustend drehte Niké sich auf ihrem Stuhl, spürte sich instinktiv nach Bryans Arm greifen, um nicht hinunter zu fallen und räusperte sich verlegen, nachdem sie wieder Luft bekam. Mit leicht geröteten Wangen strich sie über ihr dunkelgrünes Abendkleid, dessen schwarze Applikationen am Saum und Mieder für diesen Anlass ausreichend Extravaganz darstellten für eine Nicole Oak. Sachte tätschelte sie seinen Arm, räusperte sich nochmals. »Du scheinst dich hier ja so wohl zu fühlen wie ein Fisch auf dem Trockenen.«, stellte sie schlicht fest und sah sich mit einem leisen Seufzen um. Beinahe tat es ihr Leid, ihn dazu überredet zu haben, aber nachdem sie einen weiteren Blick auf Bryan in seinem Anzug geworfen hatte, stellte sie fest, dass ihr Mitleid sich in Grenzen hielt. Es juckte sie in den Fingern die Berge und Täler unter dem Anzug genauer zu erforschen ... Hastig nahm sie ihre Hand wieder zurück, biss nachdenklich auf ihre Unterlippe und sah dem Stallburschen schließlich in die stahlblauen Augen, die ihr Herz verlässlich zum Rasen brachten. »In Ordnung. Ab sofort gehört der Abend dir. Wo willst du hin?« Zuzugeben, dass sie das schlechte Gewissen plagte, fiel ihr schwer, sodass sie ihm dieses ziemlich offen gehaltene Angebot mit einer erhobenen Augenbraue und fragender Miene unterbreitete. Abwartend drehte sie sich auf ihrem Stuhl wieder zu ihm, fragte sich insgeheim, wie dieser Abend noch verlaufen würde.




{ Ball # BRYAN # Angebot}

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Bryan King

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BeitragThema: Re: Aula   Do Mai 17, 2018 10:34 am

Nicola war süß, ein wenig wie ein junger Hund und damit das genau Gegenteil von Bryan. Er lauschte auf ihren erfreuten Ausruf und ihr Lachen, sah ihre Gesten, die nur für ihre Freunde bestimmt schienen, und fragte sich, ob es genau deshalb nicht passte, dass sie sich annäherten oder ob es gerade deshalb so schön war, Zeit mit ihr zu verbringen. Sie bildete einen so starken Gegenpol zu ihm, dem Griesgram und Zyniker. Nie wusste er wirklich, wie sie als nächstes reagieren würde. Ja, sie glich einem jungen Hund oder einem Jährling, nur dass sie vollkommener wirkte in ihrem Aussehen und Auftreten. Bryan konnte gar nicht anders, als sie anzusehen und zu lächeln. In seinen Augen lag eine Zärtlichkeit, die man ihm sonst nur ansah, wenn er ausritt und mit sich, Queenie und der Natur allein war. Doch Nikés Lebhaftigkeit und ihre überschäumende Freude für ihre Freunde zu sehen, brachte das Eis in ihm zum Schmelzen. Würde sie auf ihn genauso reagieren? Würde auch sie ihm applaudieren und aufkreischen wie ein Groupie bei einem Konzert? Oder galt das am Ende Phillip? Ein Stich des Neides durchzuckte den Stallburschen und verfinsterte seine Miene ein wenig. Wahrscheinlich passte der junge Mann, der jetzt die Bühne betrat auch viel besser zu ihr als er, der verarmte Stallbursche aus Texas, der in seinem Leben eigentlich nichts erreicht hatte. Vielleicht ließ dieses Gefühl auch den vertrauten, Sicherheit gebenenden Sarkasmus zurück in seine Stimme kehren.
Dass er Nicole jedoch aus ihrem Hoch riss, ließ den Stich schlimmer werden. Jetzt aus schlechtem Gewissen – was machte diese Frau bloß mit ihm?
„Du möchtest mich also in einem Kleid sehen?“, fragte er, die Augenbrauen fast bis zum Anschlag erhoben. Einen Moment lang war sein Ton noch kühl, beinahe herablassend. Dann jedoch zuckten auch seine Mundwinkel. „Ich glaube, ein Minikleid würde mir gut stehen. Mit tiefem Rückenausschnitt.“ Die Worte sollten bierernst geäußert werden, doch Bryan scheiterte daran auf ganzer Linie. Seine Mundwinkel zuckten weiterhin und in seinen Augen blitzte nun der Schalk.

Eine Regung, die sich noch verstärkte, nachdem Nicole ihren Drink geext hatte. Sie packte seinen Arm, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, und er erlaubte sich, ihr eine Hand in den Rücken zu legen. Der Stoff ihres grünen Kleides, das ihre Haare zum Leuchten brachte, war angenehm dünn. Bryan spürte ihre Wärme durch den Stoff, ihre Muskeln. Zärtlich fuhr seine Hand über ihren Rücken, obwohl das kein Mittel gegen ihren Hustenanfall darstellte. Doch er musste die Gelegenheit nutzen, sie zu berühren, ihr irgendwie zu zeigen, dass er jede Menge Fantasien über sie beide hatte, sie aber irgendwie auch zu sehr wertschätzte, um aggressiv zu flirten. Dass sie dafür zu wertvoll war, mehr als eine für eine Frau für eine Nacht.
Sobald sie jedoch den Körperkontakt abbrach, senkte Bryan ebenfalls seine Hand, wenn auch nicht ohne Bedauern. Ein leises Seufzen entwich ihm.
„Deine Gegenwart macht aus dem Trockenen ein Aquarium... aber nein, ich hab mich auf solchen Veranstaltungen nie wohl gefühlt“, erwiderte er ehrlich und hielt ihren Blick. Der Abend gehörte ihm? Das offenbarte Möglichkeiten... doch sollte er die auch wahrnehmen? Könnte er sich mit ihr einfach in sein Cottage zurückziehen, sich mit zwei Flaschen Bier aufs Sofa fläzen und den Anzug loswerden? Dann jedoch wanderte sein Blick über das grüne Kleid, über die Mühe, die Nicole sich mit ihrem Outfit gegeben hatte. Konnte er ihr das Ballerlebnis wirklich nehmen?
Ohne ihr zu antworten, bestellte er zwei weitere Drinks für sie und deutete mit dem Kopf auf die Türen, die zum Park hinausführten. „Ich habe versprochen, mit dir herzukommen, also werden wir uns nicht drücken. Allerdings dürfte es draußen etwas ruhiger sein.“ Das klang doch nach einem Kompromiss. Galant bot er ihr einen Arm an – auch, damit man sah, dass sie beide, zusammen nach draußen gingen.

[Nicole | tbc. Schulpark]

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Colin Dearing

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BeitragThema: Re: Aula   So Mai 20, 2018 7:15 pm

Colin hatte noch eine Weile mit Ira geredet - sie hatten ihre Drinks geleert, sich neue geholt, und noch die eine oder andere Zigarette geraucht. Colin fühlte sich cool und erwachsen, bis zu dem Moment, in dem Ira wieder auf Logan zu sprechen kam. Logan, den ersten Menschen, den Colin wirklich geliebt hatte. Und Colin, angeschickert wie er war, war er natürlich gefühlsduselig geworden: er hatte Ira quasi alles erzählt, und war wütend geworden: wütend auf dich selbst, wütend auf Logan, wütend auf die Welt. In was für einer Gesellschaft lebten sie eigentlich, dass Logan es sich nicht traute, zu seinen Gefühlen zu stehen? Und warum nutzte Logan seine Intelligenz nicht, um zu sehen, dass es egal war, was die anderen Leute von ihm dachten, solange er glücklich war? Diese Sachen verstand er nicht, doch sie machten ihn wütend.
Denn dank Logans Feigheit, dank seiner Unentschlossenheit, war er nun hier, nach dem schönsten halben Jahr seines Lebens, und litt. Noch nie war Colin, dem Herzensbrecher, das Herz gebrochen worden; und als es passierte, wurde es auch noch von dem Jungen gemacht, von dem Colin es am wenigsten erwartet hätte. Und das tat verdammt nochmal weh. Und auch, wenn Ira für eine Weile eine nette Ablenkung gewesen war, und Colin es damit geschafft hatte, seine Gedanken ein bisschen von seinem besten Freund abzulenken, war es doch nur von kurzer Dauer - denn Ira hatte nicht nur langsam sein Interesse verloren, sondern er würde auch am nächsten Tag die Ranch verlassen: offensichtlich war das Leben hier doch nichts für ihn. Und auch, wenn Colins Herz nicht an Ira hing, war der Auszubildende ihm doch ein Freund geworden, und das war nun der nächste Mensch, der ihn im Stich ließ.
Trauer und Wut waren bekanntlich bei keinem Menschen eine gute Mischung, doch besonders bei Colin, der ja eh schon zu einem hitzigen Temperament neigte, wurden diese Gefühle gemeinsam so explosiv, dass es für ihn kein Halten mehr gab. Er konnte sie so lange unterdrücken, bis er durch die bodentiefen Fenster in die Aula hineinsah, und Logan mit Hazel lachen sah: Logan, der eigentlich immer still und zurückhaltend war, lachte mit Hazel, als wären sie schon lange enge Freunde. Er lachte, wie er das sonst nur mit Colin und eventuell noch Joey gemacht hätte. Damit zog sich Colins Magen und sein Herz zusammen, und alles, was ihn noch ruhig gehalten hatte, zerbarst in tausend kleine Teile. Er verabschiedete sich von Ira mit kaum mehr als einem nebenbei gemurmelten Wort, und stürmte in die Aula, schnurstraks auf Logan zu.

Seine Gedanken, in diesem Moment, waren ein Wirbelsturm aus Emotionen und Erinnerungen. Logan war alles für ihn, und er litt so sehr unter der Trennung von seinem besten Freund, und der saß da und ließ es sich gut gehen, kam so perfekt zurecht ohne Colin. Das war ein rotes Tuch vor Colin, der es so sehr hasste, dass Logan tatsächlich ohne ihn klar kam. Bis er vor Logan stand, schäumte er quasi vor Wut, hatte sich richtig in Rage gedacht, und wusste nicht mehr, wo vorne und wo hinten war. Sein Blick war auf Logan fixiert, und nichts anderes nahm er mehr wahr.
"Ich sehe, du hast Spaß!", keifte Colin los - er war ein verletztes Tier in diesem Moment, und die hielten immer auf die Stellen unter der Gürtellinie, die am meisten wehtaten. "Du brauchst mich also nicht, hm? Hast mich nur so lange ertragen, wie's Spaß gemacht hat, und dann lässt du mich fallen wie eine heiße Kartoffel, was?" Es war ihm egal, dass andere Personen ihn hören konnten - ihm war es vollkommen egal. Er wollte endlich zu dem stehen, was er war, und er wollte endlich allen zeigen, dass er Logan liebte - denn das tat er, immer noch, mit jeder Faser seines Herzens. Dass er Logan eventuell für immer verloren hatte, oder ihn für immer verlieren könnte, das war ihm gar nicht bewusst.


{ cf: Park | Gespräch mit Ira | Gedanken | keift Logan an }

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Nadim Samaha

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BeitragThema: Re: Aula   Mo Mai 21, 2018 10:43 pm

Nadim war recht spät zu dieser Veranstaltung gekommen. Die Sommerferien würden nämlich bedeuten, dass er nach Hause fliegt. Da Malik das Fliegen aber nicht vertrug und er ihm diese Strapazen nicht jedes Jahr mindestens zweimal aussetzen wollte behielt er ihn hier. Dafür würde er regelmäßig herkommen, um seinen Freund zu besuchen. Das Geld war ja da und Probleme mit Flugzeugen hatte er auch keine.
Für den Ball hatte er sich extra noch einmal umgezogen und über die gewohnten Klamotten noch ein Sakko gezogen. Obwohl er seine 'festlichen' Klamotten an hatte, war er noch einmal in den Stall zu Malik gegangen, um sich ein wenig mit ihm zu unterhalten. Er hatte keine Lust auf langweilige offizielle Reden der Lehrerschaft gehabt. Sein Pferd war ihm da deutlich wichtiger.
Der Besuch im Stall hatte zur Folge, dass auf seinem Sakko Staub lag und sich in seinen von Natur aus verstrubbelten Haaren ein kurzes Strohhalm verhangen hat. Vermutlich war der von Malik heruntergefallen, aber nachdem Nadim zwischen Stall und Aula in keinen Spiegel mehr gesehen hatte, war ihm das auch nicht aufgefallen.
Nun lehnte er an der Bar mit einem Glas Wasser in der Hand, das er sich nach der Rede des Direktors geholt hat, die er doch noch hören musste.
Seine Mitschüler und auch die Lehrer standen in Grüppchen verteilt herum und unterhielten sich. Da er nicht stören wollte blieb er an seinem Platz, trank sein Wasser und sah sich um, wobei er hier und da ein paar Gespräche aufschnappte.
Was Stallbursche und Tierphysio da zusammen machten wollte er gar nicht wissen, aber Collins gekeife war nur schwer zu ignorieren. Was ist denn in den gefahren? Interessiert, aber auch ein wenig genervt von der unangemessenen Lautstärke, beobachtet er die Szenerie zwischen den beiden Schülern. Wie in einer Schnulze... Das Einzige was nicht passte war, dass nicht Hazel sondern Logan angesprochen wurde. Da er in keinster Weiße aufmerksam auf sich machen wollte, blieb er recht still und regungslos dort an seinem Platz lehnen. Augen und Ohren waren aber voll dabei.


[Erster Post|Vom Stall in die Aula|Beobachten der Leute]
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Hazel McMillan

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BeitragThema: Re: Aula   Di Mai 22, 2018 5:31 pm

Es war eine Sache, selbst unglücklich zu sein, sich hängen zu lassen und sich das auch noch anmerken zu lassen. Aber eine ganz andere, wenn zwei Personen an einem Tisch saßen und irgendwie unglücklich waren. Auf der einen Seite tröstete es Hazel auf eine höchst egoistische Art, dass es auch Logan im Moment nicht hervorragend ging. Es war, als könne er sie einfach etwas besser verstehen, auch wenn sie nicht daran dachte, ihm von ihrem Kummer zu berichten. Das wäre nur bei einer wirklich guten Freundin gegangen und die fehlte ihr auf dieser Ranch irgendwie. Natürlich gab es Mädchen aus ihrer Klasse, mit denen sie hätte reden können, aber eine richtig beste Freundin hatte sie hier eben nicht. Und dieses Thema war ein Thema für eine klischeehaft richtig beste Freundin. Solange diese aber fehlte, würde Hazel schweigen und irgendwie gegen den Kummer in ihrem Inneren kämpfen müssen, müsste die Schultern straffen und es wie die Queen oder die Pinguine aus Madagaskar halte; sie würde lächeln und das Beste aus der Situation herausholen. Wenn das eben war, dass sie und Logan sich nicht vollkommen von Selbstmitleid zerfressen ließen, dann war es so. Sie würde jetzt weder ihr Essen wieder ausspucken, noch in Tränen ausbrechen, noch sonst irgendwas Dummes tun, das sie spätestens zehn Minuten später bereuen würde. Da konnte ihr noch so schlecht sein, da konnten ihre Augen noch so sehr brennen und sich noch so viel Kopfschmerz einschleichen wollen. Sie würde das heute Abend schaffen.

Mehr um sich selbst Kraft zu zuspreche, tat sie daher etwas, was ihr unter normalen Umständen nie in den Sinn gekommen wäre, weil es so ein Junge-Mädchen-Ding war, das sie eigentlich mit Ira hätte tun wollen (so viel dazu, dass sie ihn würde aus ihren Gedanken vertreiben können): Sie griff nach Logans Hand, nachdem sie die Trauer in seiner Stimme gehört hatte, und drückte sie. Ein wenig hatte sie damit gerechnet, dass sich das Gefühl zwischen ihr und Logan ändern würde, dass sie sich gut und mutig fühlen würde, obwohl so eine Geste für die meisten Mädchen in ihrem Alter selbstverständlich bis lächerlich gewesen wäre, aber es kam ihr mehr so vor wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Eine Geste, genauso nichtssagend wie der Wunsch nach Besserung bei einer Erkältung. Es machte sie noch ein Stückchen trauriger.
So setzte sie zur dritt besten Erfindung der Briten an, neben Earl Grey und Stephen Hawking – Smalltalk. Sie erzählte, dass sie zu ihrer Oma nach England reisen würde, weil ihre Oma im Moment ihre liebste Person war und man sich mit ihr so lange über Mathematik und Physik unterhalten konnte, und machte irgendeine flapsige Bemerkung über das dortige Wetter und Isaac Newton, die Logan kurz zum Auflachen brachte – vermutlich mehr aus Höflichkeit, aber immerhin – und von der sie Sekunden später schon nicht mehr sagen konnte, was ihr Inhalt war, als plötzlich Colin vor ihnen stand und Logan anfuhr.

Erschrocken lehnte sich Hazel nach hinten, als hätten die Worte ihr und nicht ihrer Begleitung einen Schlag ins Gesicht verpasst. Was zur Hölle…? Mehr konnte sie in diesem Moment gar nicht denken, so vollkommen über fordert war sie mit der plötzlichen Attacke von Logans eigentlich bestem Freund. Natürlich wusste die Siebzehnjährige, dass die beiden in letzter Zeit wegen irgendwas zerstritten waren. Doch diese Reaktion begriff sie überhaupt nicht. Es war, als stamme der Dialogpart von Colin aus irgendeinem sehr schlechten Roman oder Film. Eine klassische Eifersuchtsszene. Aber es war doch dumm, seinen besten Kumpel so anzufahren, bloß, weil der mit einem Mädchen auf einem Ball… oh. Oh!
Hazel riss die braunen Augen auf ET-Größe auf. Das konnte nicht sein, oder? Ihr Blick sprang von Logan zu Colin und wieder zurück wie der Ball bei einem Tennismatch. Es konnte doch wirklich nicht sein. Konnte es denn wirklich sein, dass sie einen Buchstaben bei ‚Bester Freund‘ ersetzen musste? Oder eher gemusst hatte? Dass Colin offenbar auch am anderen Ufer fischte, hatte Logan ihr gerade offenbart, aber dass er, Logan, am gleichen Ufer… das war jetzt wirklich ein wenig zu viel. Viel zu viel, um ehrlich zu sein. Erst der für immer verlorene Ira, jetzt die Offenbarung dieses Geheimnisses. Würde Hazel Alkohol vertragen, würde sie jetzt klischeehaft einen starken Drink brauchen, um ihre Nerven zu beruhigen.
Selbst wenn es jedoch kein starker Drink werden würde… eine Flucht an die Bar wäre vielleicht eine nette Alternative. Aber konnte sie Logan einfach so allein lassen? Ein Blick auf den vor Wut schäumenden und offensichtlich auch nicht mehr nüchternen Colin nahm ihr die Entscheidung ab.
„Ich… ähm… hole noch was zu trinken. Ruf mich, wenn… naja“, murmelte sie, warf wieder einen Blick zwischen beiden hin und her und ergriff die Flucht.

Ihr Weg endete jedoch nicht weit entfernt, weil sie nicht weit von der Bar entfernt saßen. Auch hier konnte sie noch jedes Wort von dem Streit verstehen. Sie war sich nicht sicher, ob sie das wollte, daher sah sie sich nach Ablenkung um, sobald sie ihren bestellten Orangensaft bekommen hatte. Tatsächlich stand einer ihrer Klassenkameraden ebenfalls einsam und verlassen am Tresen, ein Glas Wasser in Händen. Natürlich hatte sie mit Nadim schon zu tun gehabt, aber wirklich viel geredet hatten sie noch nicht. Sie konnte ihn schwer einschätzen; einerseits wirkte er sehr charmant, andererseits etwas schüchtern. Allerdings konnte sie gerade nicht wählerisch sein, was ihre Ablenkung betraf. Also stellte sie sich etwas linkisch neben ihn und lächelte.
„Du hast da was“, entwich ihr, kaum dass sie den Strohhalm in seinen Haaren entdeckt hatte. Röte schoss ihr in die Wagen und ihre Verlegenheit übernahm mit einem Mal die Führung ihrer Zunge: „Ich glaube ja, Colin hat zu tief ins Glas geschaut. Hitzig ist er ja, aber so hab ich ihn noch nie erlebt.“ Wieder verstummte sie, unsicher, ob das wirklich die bessere Alternative zu dämlichen Kommentaren über Stroh im Haar war.

[Gedanken | Logan | Auftritt von Colin | Rückzug zu Bar | spricht Nadim an]

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Joleen Mahone

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BeitragThema: Re: Aula   Do Mai 24, 2018 9:09 pm

Joleen war eine schwarze Frau, die es sich in einer Welt voller weißer Männer gemütlich gemacht hatte. Diesen Satz konnte man in vielerlei Richtungen interpretieren - es war eine teilgenerelle Aussage, durch die Tatsache, dass der amerikanische Kapitalismus von reichen, weißen Männern beherrscht wurde. Es war aber auch eine Spezifikation, wenn man davon ausging, dass sie eine Highschoollehrerin war; wenn man dort ernstgenommen werden wollte, musste man nicht nur selbstbewusst sein, sondern auch den Kindern tagein, tagaus beweisen, dass man wusste, wovon man redete.
Aber eigentlich war es am Auffälligsten in der Westernbranche: denn während es in der Gesellschaft mittlerweile teilweise weniger schlimm wurde, eine schwarze Frau zu sein und sie durchaus die perfekt dicke Haut für ihren Job besaß, war sie in ihrem Reitsport immer noch ein Phantastisches Wesen. Die Männer dort hatten normalerweise so ein überzogenes Ego, dass Jo jeden von ihnen verachtete. Nicht die Cowboys, die in ihrer Heimat auf den Höfen und in den Feldern arbeiteten. Sondern die Männer, die anfingen zu weinen, sobald ein einzelnes Staubkörnchen ihre perfekt polierten Schuhe befleckte. Sie war unendlich dankbar gewesen, dass ihr Auszubildender nicht so war. Und dann hatte sie realisiert, dass das daran lag, dass er ganz andere Probleme hatte, war sie hellhörig geworden.
Und bevor Joleen sich versehen konnte, war alles irgendwie anders, und Lucien hatte so ziemlich alle Prinzipien über den Haufen geworfen, die Joleen sich erarbeitet hatte. Erstens hatte sie sich immer vorgenommen, als Lehrerin strikt professionell zu bleiben: denn sie wollte ernst genommen werden, ohne gleich als Biest abgestempelt zu werden - das konnte schnell passieren, wenn man eine Frau war, die sich nicht von irgendwelchen pubertierenden Biestern unterkriegen ließ. Dann war sie, als Schwarze, der festen Überzeugung, dass sie sich nicht mit Weißen einlassen sollte. Sie war auf gar keinen Fall rassistisch; aber sie wollte einfach keinen weißen Mann. Doch hier saß sie, und konnte die Augen das nicht von Lucien lassen. Lucien, der tickenden Zeitbombe. Lucien, der sich niemals unterkriegen ließ, außer wenn er mit der kapitalistischen Oberklasse konfrontiert wurde.
Und Joleen konnte jetzt nicht mehr leugnen, in diesem Moment, dass alle ihre Prinzipien sich einfach in Luft auflösten. Sie hatte ihren Teller und auch ihr Glas geleert, und bevor sie sich versah, gab es auch keinerlei Reste mehr auf Luciens Teller. Stattdessen sah man Lucien die Enttäuschung aufs Gesicht geschrieben an - er war zwar ein Geheimniskrämer und schwer zu lesen, aber Jo arbeitete nun schon seit einem Jahr mit ihm. Sie wusste, was sich hinter dieser verdammten Maske verbarg, manchmal jedenfalls. Dieses Mal war es relativ einfach, und irgendwie trieb es ihr ein Lächeln auf die Züge. Sie tupfte sich noch einmal den Mund ab, bevor sie aufstand und sich die Handtasche umwarf.
"Kommst du mit?", fragte sie. "Das ist kein Ort für dich und mich."


{ Gespräch mit Lucien }

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Nadim Samaha

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BeitragThema: Re: Aula   Fr Mai 25, 2018 8:47 pm

Scheinbar war auch Hazel diese Situation unangenehm, zumindest entfernte sie schon von den beiden Schülern. Ihre ganze Ausstrahlung zeigte Flucht an. Weg bevor es peinlicher wurde, oder sonstiges. Nadim konnte es ihr nicht verübeln. Es schien etwas Ernstes zwischen den beiden zu sein. Aber Collin schien etwas getrunken zu haben, weswegen das Risiko bestand, dass es noch mehr Drama geben könnte. Waren irgendwelche Lehrer da, die eingreifen konnten?
Er wollte sich nach einem umsehen, als er bemerkte, dass Hazel auf ihn zukam. Sie kommt hier her. Was soll ich tun? Was soll ich sagen, wenn sie etwas sagt?
Seine Gedanken rasten, nur weil sie zu ihm kam. Bleib locker, Mann, bleib locker... Sie lächelt! Was mach ich jetzt?! Sein Hirn streikte. Ihm fiel nichts ein.
Wo? Ich hab was? Etwas rot werden wuschelte er sich durch die Haare bis das Stroh zu Boden fiel. "Ich ... war noch im Stall, bevor ich hergekommen bin...", sagte er etwas unsicher, auch wenn es überhaupt keinen Grund dafür gab. Den Staub, den er daraufhin auch bemerkte, klopfte er nicht weg. Er wollte nicht, dass Hazel auf einmal in einer Staubwolke stand.
Als sie das Thema wechselte atmete er einmal tief durch. "Scheint so. Weißt du was los ist?", versuchte er den Small Talk weiterzuführen. Hoffentlich hatte das Glas in seiner Hand keinen Riss, sonst würde es gleich zerspringen, so sehr klammerte er sich daran fest. Um sich noch etwas mehr zu beruhigen nahm er einen Schluck von seinem Wasser. "Läuft da was zwischen denen? Hat sich irgendwie so danach angehört.", nuschelte er in sein Glas und sah hinein. In seiner Heimat war das vielleicht ein Unding, aber ihn interessierte das recht wenig. Auch wenn er die Bilder dazu im Kopf irgendwie merkwürdig fand. Lasst die Leute doch sein was sie wollen, solang sie keinen damit nerven.
Sein Blick war weiterhin durch das Glas auf den Boden gerichtet. Mehr fiel ihm gerade zum Sagen nicht ein und eigentlich wollte er sich auch gar nicht über Collin und Logan unterhalten. Aber um sie nach ihren Ferienplänen zu fragen hatte er zu wenig Mumm.  


[Nahe an einem Herzinfarkt|SmallTalk mit Hazel]
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Hazel McMillan

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BeitragThema: Re: Aula   So Mai 27, 2018 1:53 pm

Nadim und sein Verhalten erinnerte sie in beklemmender Weise an ihr eigenes Benehmen in Gegenwart des anderen Geschlechts, bevor sie auf die Horizon Ranch gekommen war. Damals, als sie noch Schülerin an einer Mädchenschule gewesen war und mit ihren Klassenkameradinnen wild kichernd über den Zaun zur Jungenschule auf der anderen Straßenseite geschaut hatte und sie sich ausgemalt hatten, wie der perfekte erste Freund sein sollte. Wahrscheinlich taten das alle Mädchen auf der ganzen Welt und die wenigsten bekamen dann auch einen Jungen, der diesem Wunschbild entsprach. Bei Hazels Freundinnen war es ähnlich gewesen. Der erste Kuss war nicht romantisch bei Kerzenschein oder Mondlicht passiert, sondern nach dem Genuss von Daddys Cherry und Cognac hinter einem Schirmständer mit einem Jungen, an dessen Gesicht man sich nicht mehr so ganz klar erinnern konnte. Oder es war gar kein Freund gewesen, sondern eine Freundin. Oder es war noch weder ein Kuss, noch ein Freund geworden wie bei Hazel und einigen wenigen anderen. Daran würde sich so schnell nichts ändern, weil der-an-den-sie-heute-definitiv-nicht-mehr-denken-würde ja mit dem offenbar Exfreund ihres Kumpels Logan rummachte. Verdammt, sie hatte die Informationen der letzten Minuten noch überhaupt nicht verarbeitet. Und ob Nadim, der sich beinahe panisch an sein Glas klammerte, ihr dabei wirklich gut helfen könnte, wusste sie im Moment auch nicht.
Hazel fand, dass sie sich im letzten Schuljahr in Sachen Umgang mit Jungs ganz gut gemacht hatte. Sie konnte inzwischen normalerweise ganz normal mit ihnen reden. Vielleicht war Nadim einfach noch nicht so weit. Kurz überlegte sie, ob sie ihm versichern sollte, dass sie selbst viel zu verwirrt und emotional gestresst war, um zu beißen, besann sich dann aber doch eines Besseren. So etwas würde die leichte Spannung, die zwischen ihnen in der Luft lag, nur verschlimmern. Daher nippte sie an ihrem Orangensaft und warf Collin und Logan wieder einen Blick zu, bevor sie ihre fast ganze Aufmerksamkeit dem braungebrannten Jungen schenkte. Ein kleiner Teil hing immer noch an dem Tisch in ihrer Nähe. Kein Wunder, da sie ja auch das Stroh-im-Haar-Thema nicht weiterführen wollte, blieb sonst ja kaum was, worüber man reden könnte, ohne in eine persönliche Ecke zu kommen und in dieser Ecke lauerte noch immer ein tattoviertes Schreckgespenst mit wunderschönen Augen.
„Ich weiß, dass die beiden sich in letzter Zeit ziemlich komisch benommen haben, aber ich hab gedacht, dass sie sich einfach wegen irgendwas gestritten hätten… aber das…“ Hazel blies die Backen auf und ließ die Luft mit einem zischenden Geräusch wieder entweichen. „klingt wirklich nach mehr. Die ganze Szene ist so theatralisch. In England hab ich solche Szenen nie erlebt… da wäre man eher irgendwohin gegangen, wo einen weniger Leute sehen. Wir sind da etwas mehr auf unseren Ruf bedacht.“ Ein schiefes Lächeln glitt über ihre Lippen. „Oder ich bin nie lange genug auf Partys geblieben, um sowas mitzubekommen.“ Wieder wanderten ihre Augen zu ihren Klassenkameraden und sie musste den Kopf schütteln. Sie war zwar erst ein Jahr hier, aber irgendetwas hätte sie doch bemerken müssen, wenn beiden wirklich was miteinander gehabt hatten, oder? „Sie haben es gut verheimlicht, wenn da was war…“, murmelte sie schließlich und schüttelte den Kopf. „Aber warum? Ich hab noch keinen Ort gesehen, wo so offen mit allem umgegangen wurde.“


[Gespräch mit Nadim]

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Logan Cunningham

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BeitragThema: Re: Aula   So Jun 03, 2018 12:47 pm

Unheil kam selten unvorhergesehen, denn im Grunde gab es zahlreiche Anzeichen dafür, dass etwas geschehen würde. Der Siebzehnjährige hatte es bereits vermutet, als er Colin mehr oder minder von sich stieß, aus Angst vor dem, was geschehen würde, wenn er sich wirklich vollkommen auf seinen besten Freund einließ. Dass dieser die Gunst der Stunde ausgenutzt hatte und sich sogleich einen neuen, jungen Mann gesucht hatte, um sich um Bedürfnisse und das Vergessen zu kümmern, ließ die Unsicherheiten Logans nur noch weiter anwachsen.
Er hatte stets geglaubt vor derlei Dingen gefeit zu sein, nicht von Gefühlen und Emotionen geleitete zu werden, als viel mehr ein rational denkender Kopf zu sein. Ausgerechnet durch Colin hatte er sich eines Besseren belehren lassen müssen, denn dieser hatte ihm die Welt zu den emotionalen Auftritten erst wirklich geöffnet. Stirnrunzelnd löste Logan seine zur Faust geballte Hand unter dem Tisch, griff mit einem bemühten Lächeln nach seinem Glas und starrte irritiert hinein, als er bemerkte, dass es bereits leer war.
In letzter Zeit war er viel zu durcheinander, das musste ein Ende haben. Seine blauen Augen strichen suchend durch den Saal, ehe sie sich mit hartherzigem Spott ein wenig verengten. Colin hatte ihn bereits vergessen, durch Ira ersetzt, sodass es dem Siebzehnjährigen doch einfacher fallen sollte, es ebenso mit seinem ehemals besten Freund zu halten. Oder nicht?
Während Hazel ihn versuchte ein wenig von den dunklen Gedanken abzulenken, mühte sich der Schüler um ein unverfängliches Lächeln, nickte an den korrekten Stellen und besann sich darauf, ein wenig zuvorkommender zu sein. Ihr die Aufmerksamkeit zu widmen, die sie verdient hatte, als den gesamten Abend über von ihm halb ignoriert zu werden, weil sein eigenes Drama ihn beschäftigte.
Dann jedoch kam sein personifiziertes Drama mit weit ausholenden Schritten und grimmiger Entschlossenheit auf dem schönen Gesicht geradewegs auf ihn zu.

Angespannt verfolgte Logan die fast schon aggressiven Schritte Colins, dessen braune Augen herausfordernd aufblitzen, ehe seine Stimme laut und deutlich zu ihm herüber klang. Drohend. Verletzt. Angespannt.
Mühsam biss der Schwarzhaarige sich auf die Zähne, ballte erneut unbewusst die Hand zur Faust und löste diese entsetzt, als er es bemerkte. Ein wenig panisch verfolgte er Hazel, wie sich ihre schlanke Gestalt erhob und offensichtlich unangenehm berührt der Situation entfloh. Logan wäre nur zu gern an ihrer Stelle gewesen, wäre möglichst weit fort von Colin und all dem Drama gekommen, doch so musste er sich damit nun auseinandersetzen. Sein Blick wirkte ein wenig gehetzt, als er sich halb erhob und dabei durch den Saal schweifen ließ, einzelne Augenpaare irritiert und interessiert auf ihnen ruhend.
»Verdammt, Colin, reiß dich zusammen!«, fauchte Logan leise, erhob sich nun gänzlich und trat auf den aufgebrachten Achtzehnjährigen zu, dessen Haltung den Jüngeren zu früheren Zeiten dazu animiert hätte beruhigend auf ihn einzureden. Heute jedoch schenkte er ihm lediglich aus kalten, blauen Augen einen kurzen Blick. »Ich bin es nicht, der sich gleich den nächsten Fuck Buddy gesucht hat!«, spie er angewidert aus und entschuldigte sich insgeheim bei Hazel, wenngleich er sich gut an ihre großen Augen erinnerte, als sie zu begreifen schien was hier soeben ablief. Angst kroch ihm die Kehle empor, Angst davor, nun auch noch Hazel als eine der wenigen Freunde zu verlieren, die er neben Colin und Joey besessen hatte.
Unterdessen war er Colin nun schmerzhaft nahe gekommen, griff nach dessen Unterarm und wollte ihn mit sich ziehen, fort aus der Aufmerksamkeit und der Öffentlichkeit. Seine Schmutzwäsche wollte Logan ungern vor dem Lehrkörper ausbreiten und waschen, aber so wie es aussah, wollte Colin das nicht.

Dann geschah etwas, was der Siebzehnjährige seinem ehemals bestem Freund noch Jahre später vorwerfen würde: Er verlor die Beherrschung und das in einem Maße, die selbst Logan ein wenig aus dem Tritt brachte. Zornig funkelte er auf die adrette Erscheinung Colins hinab, musterte abschätzig dessen wohl proportionierten Körper und die Anfänge von Augenringen aufgurnd viel zu lang verzechter Nächte. Höchstwahrscheinling hing ihm an jedem Arm mindestens ein Dutzend Mädchen, nun, da er sich ihnen wieder mit erhöhter Aufmerksamkeit widmete. »Aber statt mich zu beschuldigen, solltest du lieber in den Spiegel schauen, Dearing! Mir geht es blendend, aber du strahlst förmlich vor satter Zufriedenheit und Genugtuung. Du und deine gottverdammte Vorstellung davon, wie ...!« Zornig warf Logan die Hände in die Luft, spürte wie ihm die Wut die Luft raubte und wandte sich hektisch von Colin ab, stapfte wütend voran und blieb ebenso abrupt wieder stehen. Mit langen Schritten stapfte er zurück, ein unheilvolles, blaues Feuer in den sonst so beherrschten, kalten Augen und schüttelte seine blasse Faust dicht vor Colins breiter Brust.
»Herrgott, Colin, ich weiß nicht mal, wieso du dich überhaupt noch mit mir abgibst, wo du doch soetwas -«, er wies in die Richtung, in welcher er Ira vermutete, »tagtäglich haben könntest!« Und damit kehrte er ihm wieder den Rücken zu, straffte die Schultern und atmete gepresst ein, die Hände zu Fäusten geballt dicht neben seinem Körper haltend. Sein Gang wirkte ein wenig hektisch, als wolle er der Szene schnellstmöglich entschwinden, ehe er mit gesenktem Kopf aus der Aula zu flüchten versuchte.





{Erst HAZEL # Später COLIN # Streitgespräch}

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Nadim Samaha

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BeitragThema: Re: Aula   Mo Jun 04, 2018 9:47 pm


Er sah nun doch zu ihr, als er das zischelnde Geräusch hörte. Er fand es irgendwie lustig, wie sie aussah mit aufgeblasenen Backen. Während sie weitersprach begann er etwas zu lächeln, da er noch ihren Gesichtsausdruck im Kopf hatte, und stellte sich lockerer hin. Wenn er weiter herumstehen würde, als möchte er sich in der nächsten Düne vergraben, dann verschwand Hazel vermutlich gleich wieder und er stünde erneut alleine in der Gegend herum und konnte Collin und Logan beim Streiten zu sehen. Sofern die nicht auch verschwanden.
Nadim konnte nur mit den Schultern zucken und seine Erfahrung damit verkünden:"Ich war auch noch nie so lange auf Partys, geschweige überhaupt  groß auf Partys, als das ich so etwas erlebt habe. Aber bei mir in der Heimat hängt man das auch nicht groß an die Glocke, wenn man ... ", er versuchte passende Worte zu finden und machte eine Handbewegung, die signalisierte, dass er nach einem suchte, "Naja, auf jeden Fall ist es in den meisten Ecken bei uns ungesund, das zu erwähnen..." Irgendwie schämte er sich da für seine Landsleute, weswegen er mit verzogener Mine wieder in sein Glas sah. In so vielen Punkten schafften sie es Tradition und Moderne mit einander zu verbinden, nur da nicht.
"Vielleicht waren sie sich selbst nicht sicher, ob es lange hält. Ich habe keine Ahnung, aber ich muss gestehen ich mische mich da auch nicht ein.", antwortete er seiner Klassenkameradin auf ihre Frage, auch wenn er vermutete, dass sie eigentlich an niemanden bestimmten gestellt war. Sein Blick wanderte wieder ruckartig zurück zu Collin und Logan, als er erneut lautstarkes Gezeter hörte. Eine gewissen Besorgnis war in seinen Zügen zu erkennen, denn das ständige Herumgefuchtel mit den Fäusten beunruhigte ihn. Muss man dazwischen gehen oder nicht? Er entschied sich für nicht, als Logan sich von Collin entfernte. "Willst du die beiden weiter im Auge behalten?", hakte er bei Hazel nach. Sie war mit Logan befreundet und wenn sie vielleicht einschreiten wollte, könnte sie Rückendeckung gebrauchen. Nadim hatte die beiden noch nie streiten gesehen, weswegen er nicht deuten konnte wie das ausgehen mag. "Wenn nicht können wir irgendwohin gehen wo es weniger... Drama gibt... wenn du willst.", schlug er als Alternative vor und stellte sein leeres Glas auf die Bar.

[Gespräch mit Hazel]
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Colin Dearing

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BeitragThema: Re: Aula   Do Jun 07, 2018 11:56 am

Colin bemerkte nicht, wie peinlich Logan das war, wie Colin auf ihn zugestürmt kam. Er bemerkte nicht, dass Logan angespannt war wie ein Flitzebogen, sobald er bemerkte, dass Logan tatsächlich Colins Ziel war. Es hätte ihn wahrscheinlich interessiert, wenn er es bemerkt hätte, doch durch den Schleier, der sich über seinen Blick gelegt hatte, sah er da nicht mehr viel von. Erinnerungen liefen vor seinem inneren Auge hin und her - gute Erinnerungen, teilweise zehn Jahre oder älter, teilweise ganz frisch. Dieses letzte Jahr mit Logan, das war das beste Jahr seines Lebens gewesen. Endlich hatte er jemanden gefunden, dem er vertrauen konnte, der ihn verstand, der es mit ihm aushielt. Mit Logan fühlte sich alles neu an, und das lag wohl daran, dass er noch nie eine Beziehung geführt hatte wie mit Logan. Es war noch nie richtig gewesen, und es waren noch nie richtige Gefühle im Spiel gewesen.
Bisher hatte ihm auch noch kein Mädchen das Herz gebrochen. Vielleicht war er deswegen so wütend auf Logan: weil er gewusst hatte, wie wichtig er Colin war, und wie unsicher Colin in der Beziehung war, und er ihn trotzdem fallen gelassen hatte wie eine heiße Kartoffel, als es ihm zu brenzlig geworden war. Dieses Wissen hasste Colin, weil es ihm das Herz zuschnürte, ihn nicht mehr schlafen ließ und dafür sorgte, dass sich eine Kälte in ihm aufstaute, die er so noch nie kennengelernt hatte. Erfüllt von diesen Gefühlen hatte er sich also aufgemacht, und noch während er Logan so anschrie, wurde ihm bewusst, dass er weitere Grenzen überschritt. Niemals hätte er gedacht, dass er mal Logan gegenüber so giftig und biestig werden würde. Doch die Worte waren gesagt, in der hitzigen Wut eines verletzten Tieres, das mit letzter Kraft versuchte, sich zu retten. Niemand hatte je behauptet, dass Colin sich selbst zu beherrschen wusste.

Jedoch sollte Logan nicht der einzige sein, der an diesem Abend verletzt wurde. Die Worte, die Logan ihm entgegenschmiss, schnitten durch Colins Gedanken, die eigentlich so bizarr und verworren waren, dass sie als Schutzmantel dienen sollten, direkt in sein Herz und zerfetzten es. War das also das, was Logan von ihm dachte? Dachte er, dass er für Colin nichts weiter war als eine Errungenschaft, jemanden, den Colin einfach so ersetzen konnte? Sah er denn nicht, dass Logan alles war, was er wollte? Wieso konnte er es nicht sehen? War er deswegen jetzt so kalt und abweisend? Colin hatte diese blauen Augen - diese wunderschönen, blauen Augen - noch nie so böse funkeln sehen wie in diesem Moment, als Logan ihn ansah, seine Finger schmerzhaft um Colins Arm geschlossen. Endlich war Logan wieder so nah, dass er alle von Colins Sinnen erfüllte, und dann sah er ihn so an.
Colins Herz zerbarst erneut in tausend kleine Scherben, noch ehe Logan von ihm davonstürmte. Es gab so viele Dinge, die Colin Logan an den Kopf knallen wollte. Wie unfair er war, und dass es alles seine Schuld war, immerhin hatte er ja Schluss gemacht. Und dass Colin nur ihn wollte, und dass es ihm schrecklich ging ohne Logan und dass er ihn einfach nur wiederhaben wollte. Doch sein Hals war zugeschnürt, als sich Tränen in seinen Augen bildeten, die er wütend wegblinzelte. Er war sprachlos, denn so hatte er Logan noch nie gesehen. War das seine Schuld? Hatte er Logan das angetan? Eigentlich nicht, denn eigentlich hatte Logan ja die Sache zwischen ihnen beendet. Aber uneigentlich wird es wohl Colins Schuld gewesen sein. War es immer.
Einen Moment zögerte Colin, blickte Logan nur stumpf hinterher, als er aus der Aula stürmte. Doch dann folgte er ihm, musste fast laufen, um mit Logans langen Beinen mithalten zu können. Zum ersten Mal in der gesamten Zeit wirkte Logan tatsächlich größer als Colin auf Colin - plötzlich war Logan nicht mehr dieses unsichere, stille Geschöpf, das er beschützen musste. Plötzlich war Logan alles oder nichts, ein erwachsener Mann, der wusste, was er wollte. Der wusste, dass er verletzt worden war. Wieder diese Frage: war es seine Schuld? Eine böse Stimme in seinem Kopf flüsterte Zustimmung.

"Lauf nicht einfach davon!", rief Colin, als sie die Aula verlassen hatten, die Menschengruppe zurückgelassen hatten. Außerhalb der Zuschauer hielt Colin die Verzweiflung in seiner Stimme nicht davon ab, an die Oberfläche zu blubbern. "Nicht schon wieder ..." Seine Hand schloss sich um Logans Handgelenk, brachte ihn erst zum Stehen, dann dazu, sich umzudrehen. Auf diesem Korridor mit seinen Nischen hatten sie sich manchen Kuss gestohlen, auf anderen Schultänzen, die weniger schlecht ausgegangen waren für sie.
"Ich weißt du nicht, was du hier siehst, wenn du mich siehst - absolut keine Ahnung! Aber wenn du denkst, dass er oder irgendwer dich für mich ersetzen kann, dann bist du nicht so intelligent, wie ich gedacht habe." Colins Stimme hatte den Kampf verloren, jetzt schon, und als er Logan ansah, waren seine Augen ruhig und schmerzerfüllt. "Du hast mir 'ne ganz schöne Scheiße eingebrockt mit deiner Angst und deinem Zögern - natürlich suche ich mir irgendeine Ablenkung! Aber es funktioniert nicht, weißt du? Scheiß egal, was ich mache - alles, woran ich denken kann, bist du, verdammt nochmal!" Jetzt wurde er wieder etwas lauter, und fuhr sich mit seinen Fingern durch seine Haare, zerstörte die vorsichtig geplante Frisur. "Und ich weiß, dass du mich nicht mehr willst und dass ich für dich nicht der Richtige bin. Aber wieso? Wieso hast du mich verlassen, Logan?"


{ folgt Logan vor die Aula }

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