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 Aula

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Sheela Verma

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BeitragThema: Re: Aula   Do März 22, 2018 5:31 pm

Man sagte, Menschenkenntnis und Empathie gehörten zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Arztes. Natürlich durfte man fachliches Wissen niemals unterschätzen – was Sheela auch niemals in den Sinn kommen würde, sonst könnte sie ihren gewählten Weg auch zugunsten einer langweiligen Stellung in einer Provinzpraxis im Norden Schottlands aufgeben – aber manchmal mussten beide Kompetenzen auch Hand in Hand gehen. Wenn man nicht erkannte, ob oder warum ein Mensch log, war man von einer guten Anamnese weit entfernt. Motive spielten auch bei der medizinischen Diagnose eine wichtige Rolle. Einmal war ihr in England eine Frau begegnet, die kontrazeptive Mittel nahm und gleichzeitig eine Fruchtbarkeitsbehandlung machen ließ. Sie hatte ihrem Mann nicht eingestehen wollen, dass sie eigentlich keine Kinder wollte. Natürlich hatte Sheela die Symptome gesehen, doch der entscheidende Schluss war erst gekommen, als sie das Fehlen des sehnsüchtigen Blickes bemerkt hatte, als eine Horde Schulkinder das Krankenhaus betreten hatte. Die Inderin hatte den Blick von sich selbst gekannt. So sah keine Frau aus, die innerhalb des nächsten Jahres, Jahrzehnts oder Jahrhunderts schwanger werden wollte. Familie funktionierte auch ohne Kinder und wenn sie nun Alistairs Worten lauschte, seine zur Faust geballte Hand sah und die verkrampften Kiefernmuskeln wahrnahm, wusste sie, dass sie auch deshalb niemals Kinder wollte, damit man nicht so von ihr sprach und dachte. Dennoch spürte sie, dass unter der Wut ihres Gegenübers eine so tiefe Traurigkeit lag, dass sie plötzlich mit einem Brennen in den Augen kämpfen musste. Verbiete dir das Mitleid! Das ist das letzte, was er will!, rief sie sich streng zur Raison, doch ein leichter Kloß blieb in ihrem Hals. Krampfhaft schluckte sie. Wenn sie ihm nur helfen könnte. Aber sie wusste immer noch nicht, was er genau getan hatte, um so bestraft zu werden, und sie kannte Traynor Senior nur vom Sehen aus der Ferne, wenn sie ihre Eltern zu einer Gala begleitet hatte, wo sich Mr Verma und Alistairs Vater zweifellos begegnen mussten. Für einen Blick hinter die Fassade reichte das nicht, zumal sie damals auch Alistair nicht so hatte lesen können wie es sich nun wieder anbahnte. Wieder? Hatte sie ihm an College überhaupt wirklich gekannt? Oder waren sie damals auch zu sehr in ihren jeweiligen Problemen verhaftet gewesen, dass sie sich einander überhaupt nicht hatten öffnen können? War das jetzt anders? Sie würde von sich behaupten, dass sie mit beiden Beinen im Leben stand. Aber was, wenn das Leben kein Fels war, sondern nur ein Weg durch einen Sumpf? Etwas Regen und es würde unter ihr zusammenbrechen? Konnte sie Alistair Traynor, Mr Ich-bin-eigentlich-auch-total-kaputt-und-will-nur-Anerkennung-und-Liebe-kann-das-aber-nicht-zeigen, den Halt bieten, den er vielleicht brauchte? Und selbst wenn sie es konnte – sollte sie?
Als sie dann aber den Blick aus seinen Sturmaugen sah, kämpfte sie vehement dagegen, dass man auch nur die Spur Mitleid in ihrem Blick sehen konnte. Ob es ihr gelang, ihm zu vermitteln, dass er verdammt nochmal doch etwas wert war, wusste sie nicht. Worte brachte sie keine heraus. Zu groß war ihre Angst, dass er hören würde, wie sehr er sie mit diesem Geständnis aus der Fassung gebracht hatte. Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass sich ihre Hand wie von selbst auf sein Knie legte und kurz sein Bein drückte. Es war keine Geste der Verführung, nur ein Zeichen, dass er nicht allein war.
„Ich besorge dann schon mal die Hautpflege für die typisch britischen Urlaubswehwehchen“, scherzte sie zwinkernd, aber mit belegter Stimme. Verdammt, wenn sie einmal ehrlich zu sich sein könnte, würde sie ihn bitten, wenigstens nicht die ganzen drei Monate weg zu sein. Schon der Gedanke daran versetzte ihr einen Stich der Einsamkeit. Dass sie glaubte, auch in seinen Augen eine Spur von Trauer zu sehen, machte es definitiv nicht besser. Und doch wusste sie ganz genau, dass es weitergehen würde wie immer. Sie würden ihre wahren Gefühle überspielen und auf Platons Ebene bleiben, obwohl sie sich wahrscheinlich beide lieber bei Ovid treffen wollten.

„Ist das eine Aufforderung zum Tanz? Das hat man dir aber nicht gut beigebracht!“, erwiderte Sheela grinsend und warf einen Blick aufs Parkett. Auf dem nun Holmes erschien und sich auf die Bühne bewegte. „Ich denke aber, du wirst es später nochmal üben können.“ Mit diesen Worten und einem schiefen Grinsen wandte sie sich von dem Blonden ab und zu dessen Cousin hin. Ähnlichkeiten sah sie zwischen beiden immer noch nicht, allerdings war das bei so unterschiedlichen Familienzweigen und so viel anderem Chromosomenmaterial auch wenig verwunderlich. Sheela schätzte Holmes zwar auch als etwas schwierig ein, aber er war gradliniger und ruhte mehr in sich als Alistair. Wahrscheinlich war er ein typischer Workaholic, der jemanden brauchte, der ihm sehr klar zu verstehen gab, wann Schluss war. Vielleicht würde seine Begleitung für den Abend das ja schaffen, denn die junge Ärztin war sich sicher, dass sie nicht nur an diesem Abend an seiner Seite sein würde. Blicke sprachen ja mehr als tausend Worte. Was auch für das Königspaar an diesem Abend galt. Viel deutlicher hätte auch Paul Ekman, der Entdecker des Mikroausdrucks als nonverbales Kommunikationsmittel, Überraschung nicht beschreiben können. Sheela selbst entfuhr ein Kichern und sie musste sich einfach wieder an Alistair wenden, um sich an seinem Ausdruck über diese amerikanische Unsitte zu weiden. „So viel zur Herrschaft des Volkes und zur Abwesenheit der Monarchie“, grinste sie.


[ALISTAIR | Krönung]

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Damien Lewis

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BeitragThema: Re: Aula   Do März 22, 2018 5:42 pm

In jedem Leben gab es einen Moment, an dem man sich für den richtigen oder den leichten Weg entschied, dumm nur, das Damien diesen Moment schon mehr als einmal gegenüber Stand und komischerweise immer den leichten Weg gewählt hatte. Doch gerade stand er an einem der größten Scheidewege in seinem Leben. Klar könnte er wieder davon rennen und alles für immer verlieren oder er würde das erste Mal in seinem Leben seinen Mann stehen und darum Kämpfen was er liebte. Gott warum muss das Leben nur immer so kompliziert sein ging es ihm durch den Kopf und er fuhr sich wieder einmal durch die dichten dunklen Haare.

Er atmete tief durch, er hatte sich diese ganze Wiedersehenssache ganz anders vor gestellt und jetzt sah es so aus, als dass sie keine gemeinsame Zukunft mehr hatten. Es war echt zum Haare raufen, befand Damien. Was sollte er sagen, schließlich konnte er ihr nicht einfach sagen, dass er nach ein paar Tagen mit einer wild, fremden Frau im Bett gelandet war, nur um den Schmerz etwas zu Lindern, der ihn fast zerrissen hatte. Er blickte in die Shoots, ehe er den ersten auf einen Schluck leerte. „Ich dachte es wäre leichter, einen klaren Schnitt zu machen, als sich noch Monate den Kopf darüber zu zerbrechen was hätte sein können“ meinte Damien ohne sie anzusehen. Das ganze nochmals durch zu leben, zerriss ihn innerlich fast. Ja er hätte sich bei ihr melden sollen, sie vielleicht hin und wieder besuchen können, doch er hatte es nicht getan. „Ich glaube, dich nur eine Minute zu sehen und zu wissen, dass es nicht funktioniert hätte, hätte mich umgebracht.“ Meinte er mehr zu sich als zu ihr und er hoffte, dass dieses Geständnis im lauten Bass der Musik untergehen würde.

Glasige Augen, zum teil durch den Alkohol getrübt, zum anderen Teil durch ungeweinte tränen, welche er nie vergossen hatte, sahen nun doch wieder zu der Frau, welches sein Gryptonit war und er konnte nicht läugnen, dass sich jede Faser seines Körpers nach ihr verzehrte und am liebste hätte er sie nackt in seinem Bett vor sich. Reis dich zusammen Mann, du willst sie zurück also denk dir etwas besseres aus schallte er sich selbst zur Ordnung. Er hob den Kopf und sah Maureen wieder an. „Ich kann gut nachvollziehen das du Angst hast. Nach dem Bockmisst den ich verzapft habe, würde man es sich wohl dreimal überlegen ob man demjenigen noch eine Chance geben würde“ meinte er leicht in Gedanken vertieft. So langsam gingen ihm die Argumente aus. Wie hätte er ihr erklären sollen, was sie ihm bedeutete und vielleicht war in diesem Fall wirklich Sprechen Silber und schweigen Gold, ging es ihm durch den Kopf.

[Maureen]

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Lucien Carlyle

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Ausbildung : DER GROßE TRAUM VOM Westernreiter SOLL NUN ENDLICH WAHR WERDEN
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BeitragThema: Re: Aula   Sa März 24, 2018 11:41 am

Was war das nur für eine Welt in der sie lebten? Getrieben vom Konsum und der Definition über Besitz. Am Ende des Tages zählten dann doch ganz andere Dinge. Da ging es nicht darum, dass deine Jeans von Armani, deine Uhr von Rolex und dein Hemd von Hilfiger war. Am Ende starb ein jeder. Auch in zerrissener Jeans. Auch im Anzug. Oder gar nackt. Lucien wusste das. Er wusste wahrscheinlich sogar besser als alle anderen hier, was im Leben wirklich zählte. Weil er wusste wie es war, wenn einem das Leben entglitt. Wenn man Tag für Tag im Delirium verbrachte und nichts mehr von der Welt mitbekam. Aber seitdem er diese Welt wieder wahrnahm, etwas von ihr mitbekam, konnte er auch nicht mehr ausblenden, wie schlecht bestellt es um ihn war. Noch immer. Natürlich - da war Mozart. Sein Anker, sein Freund. Für Mozart hätte er sein letztes Hemd gegeben, ganz gleich ob von Boss oder H&M. Für Mozart hätte er auch gehungert und alle seine DVDs verkauft. Aber das war kein Vergleich zu dem, was ihm dieser Abend einmal wieder bewusst machte: Er gehörte nicht dazu. Er besaß diese Weste von seinem Großvater, an den er sich kaum noch erinnerte. Er trug Sneaker auf einem Ball. Und seine einzige Bezugsperson war augenscheinlich seine Lehrerin.
Seine Lehrerin, die Hunger hatte.
Bereitwillig nickte er auf ihren Vorschlag hin, das Buffet aufzusuchen. Rasch nahm er den Caipirinha von der Theke und trank einen großen Schluck. Viel änderte das noch nicht, aber es war ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass der Alkohol jetzt in seiner Hand anstatt nur hinter der Bar ruhte.

Das Buffet sag - gelinde gesagt - köstlich aus. Lucien hatte früher Tage damit zugebracht, nichts zu essen. Weil er kein Geld gehabt hatte. Dieses Buffet war fast wie ein Paradies, bei dem er sich beherrschen musste, sich nicht wie Pascha mitten hineinzusetzen und alle Leckereien auf einmal in sich hineinzustopfen. Sein Teller füllte sich rasch und während sie sich auf den Weg zu einem freien Tisch machten, trat Holmes noch einmal ans Mikrofon. Das Ballpaar. Lucien musste unwillkürlich grinsen. Wenn er sich dieser Gesellschaft auch nicht zugehörig fühlte; das Ballpaar war mit Abstand die lächerlichte Erfindung an Titeln, die man verleihen konnte. Kauend und mit halbem Ohr lauschte er den Worten des Direktos. Der Titel ging an den Pferdetrainer und die tätowierte Lehrerin. Lucien kannte die beiden kaum, weshalb ihm das Ganze noch egaler war. Er hatte nie verstanden, warum man sich aus solcherlei Sachen etwas machte. Es war kein bedeutender Titel wie etwa der Ritterschlag in England, der einem Ansehen verschaffte, es war auch keine Geldprämie darauf ausgesetzt, von der man sich hätte etwas kaufen können. Es war einfach nur - just for fun. Wie dieser Ball.
"Und nach dem Essen geht es dann in den Stall zum Misten oder wie verstehe ich das?" Lag es an dem Essen oder am Alkohol? Luciens Laune hatte sich gebessert und irgendwie umgab ihn ein wohliges Gefühl, wo er jetzt mit Joleen zusammensaß. Sie schien ihn zumindest ein bisschen zu verstehen. Natürlich kannte sie ihn kaum und er kannte sie ebenso wenig, aber das spielte aktuell keine Rolle. Sie verstanden sich irgendwie. Vielleicht auch deswegen, weil nur wenige Jahre zwischen ihnen lagen. Das Grinsen wollte beim Essen nicht mehr seinen Lippen weichen. Ballpaar! Es gab tatsächlich noch Leute, die machten sich daraus etwas.

{Joleen}

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Vincent Traynor

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BeitragThema: Re: Aula   Mo März 26, 2018 1:03 pm

Ein warmes Gefühl breitete sich in Vincent aus, als er Daniel an sich gezogen hatte, um sämtliche Luft zwischen ihnen verschwinden zu lassen. Sein Herz schlug höher, schien Saltos zu springen und aus seiner Brust rausbrechen zu wollen. So fühlte er sich, wenn er mit Blue durch die Parcours raste. So fühlte er sich, wenn er endlich wieder zu Hause war. Zuhause. Der Gedanke erschreckte ihn, und so kam es ihm fast nicht ungelegen, dass Daniel sich von ihm löste und ihn aus großen, ängstlichen Augen anstarrte. Panik blubberte in Vincent auf, denn er wusste ganz genau, was jetzt passieren würde. Der rationale Teil seines Hirns erinnerte ihn, dass es eigentlich dämlich war, deswegen auszurasten - immerhin wusste er schon lange, dass Daniel was besonderes für ihn war. Der irrationale Teil, der in der Regel die Überhand gewann, schrie, dass er rennen sollte, solange er noch konnte.
Dennoch tat es weh, als Daniel sich irgendeine Ausrede zusammenstammelte, deren Inhalt Vincent im Grunde genommen komplett ignorierte, und sich flugs aufmachte in das Cottage, das sie teilten. Weil Holmes, der Trottel, es natürlich als klug empfunden hatte, die Traynors mit anderen englischen Kollegen in eine von seinen dämlichen Hütten zu stecken. Einen Moment lang blickte Vincent Daniel hinterher, rieb sich die Brust, weil sich ein seltsames Gefühl darin breit machte, und weil ihm die Wärme des anderen fehlte, obwohl sie noch kaum die Chance gehabt hatte, sich groß irgendwo auszubreiten. Wenn er ehrlich war, dann war ihm zum Heulen zumute. Das war doch alles seine Schuld. Es war seine Schuld, weil er damals die Sache beendet hatte, weil es ihm zu heiß wurde, weil er Angst hatte, sich auf eine ernsthafte Beziehung einzulassen. Und das hatte Daniel so verletzt, dass er es noch immer nicht schaffte, wieder an ihn ranzukommen. Das konnte er verstehen. Aber. Aber.

"Fuck", Vincent fluchte, strich sich durch die Haare, die dank des hochwertigen Stylingprodukts nicht allzusehr durcheinander gerieten. Er war so weit gekommen. Er war so kurz davor gewesen. Und jetzt hatte er es doch wieder alles vermasselt. "Fuck" Aber im Grunde genommen war es ihm recht. Denn jetzt wusste er plötzlich, was Daniel ihm eigentlich wirklich bedeutete, und das war nicht etwas gewesen, dass er so hatte lernen wollen. Damit musste er erstmal klar kommen, und bevor er sich nicht selbst damit abgefunden hatte, wollte er Daniel auch am Liebsten gar nicht mehr sehen. Die Frage war natürlich, ob er sich überhaupt damit abfinden konnte, dass er tatsächlich in einer Art Abhängigkeit zu Daniel stand - und das, obwohl noch nicht mal irgendwas passiert war.
Er musste hier raus, so viel stand fest. Ins Cottage konnte er nicht. Außerdem brauchte er mehr Alkohol, ansonsten würde der Abend in einem noch größeren Desaster enden. Er hatte es immer schon genossen, seine Gefühle in Alkohol zu ertränken. Also fragte er den Barkeeper nach einer Flasche Whiskey - ihm wurde so etwas nicht verwehrt, ganz egal, wie dumm der Typ guckte -, und dann verließ er die Aula durch die großen Flügeltüren, die ihn zurückführten auf die große Terrasse, auf der die schicksalhafte Begegnung des Abends begonnen hatte. Vor nichtmal einer Stunde. Das war das Längste, das er mit Daniel verbringen konnte. Er wusste immer noch nicht, ob er lachen oder weinen sollte.


{ wird von Daniel stehen gelassen | tbc.: Park }

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Alistair Traynor

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BeitragThema: Re: Aula   Mo März 26, 2018 8:22 pm

Zurückweisung kannte Alistair Traynor nicht. Nie hatte ihm jemand gesagt, dass es Dinge gab, die er nicht erreichen konnte, egal wie sehr er sich anstrengte. Die Zurückweisung, die er durch seinen Vater erfuhr, hatte er bisher nur aus Geschichten gekannt, wobei Edward Traynor gewiss nicht das war, was man einen gütigen Vater nannte. Aber Alistair war damit aufgewachsen und er kannte seinen Vater nicht anders als so, wie er eben war: konservativ, kühl, berechnend. Er war ein Mann der Wirtschaft und er hatte es nicht ohne Grund so weit gebracht. Er hatte das Vermächtnis seines Großvaters zu einem Imperium ausgebaut und ganz London, ja fast ganz England, damit erobert. Er war eine Größe, die seinesgleichen suchte, und immer hatte Alistair geglaubt, er war derjenige, der ihm näher war, als alle anderen. Kein typisches Vater-Sohn-Gespann, dafür waren sie zu gefühlskalt, aber zumindest soetwas wie Geschäftspartner, die sich auf Augenhöhe betrachteten, wenngleich Alistair seinem alten Herrn regelmäßig Respekt zollen musste, wenn dieser sein Unwissen beseitigte. Doch ein einziger, misslungener Coup hatte gereicht, damit der Brite mit den harten Gesichtszügen die Reißleine zog und seinen Sohn nach Übersee schickte. Zusammen mit seinem Bruder. Den Alistair inzwischen immer besser verstehen konnte. Vincent mit seinem "komischen" Studiengang an Geisteswissenschaften stand nur selten in der Gunst von Traynor sr. Natürlich wäre laut Erbrecht er derjenige, der die Firma übernehmen sollte, aber Alistair hatte nicht nur aufgrund seines Studiums die bessere Ausgangslage, was die Firmenführung anbelangte. So langsam begann er zu verstehen, was für Vincent schon fast normal sein musste: dieses Gefühl, keine Fehler machen zu dürfen; nichts wert zu sein, wenn der Erfolg ausblieb; nicht besser zu sein, als irgendjemand von der Straße.
Er sollte ihm nicht Gefallen tun und nach London zurückkehren, um dann dort in der Firma unter den mahnenden Blicken seines Vaters seine Schuld abzuarbeiten. Das tat er doch hier bereits! Aber weitere drei Monate in diesem vermeintlichen Land der Freiheit ohne Sitten und Tradition festzusitzen erschien ihm nur schwer zu ertragen. Er verzog, das Gesicht zu einem schiefen Grinsen, als Sheela meinte, sich um seinen Sonnenbrand kümmern zu wollen. Ja, die britische Haut war empfindlich und die des Adels doch angeblich ganz besonders. "Nur weil du dir keine Gedanken darum machen musst.", gab er spitz zurück. Ein Fauxpas? Im selben Moment, als die Worte gesprochen waren, realisierte er, was er soeben von sich gegeben hatte. Würde Sheela die Anspielung auf ihre Hautfarbe persönlich nehmen? Alistair war sicherlich nicht der unkonservativste Mensch auf dem Planeten, aber rassistische Züge hatte er dann doch nie angenommen. "Pardon." Er hielt ihrem Blick stand. Ausdruck dessen, dass er nicht beschämt war, es aber aufrichtig nicht als Anfeindung gemeint war. Sheela hatte ihn mit ihrem Äußeren immer fasziniert. So makaber es klang, doch Menschen anderer Hautfarben und Kulturen faszinierten einander auch im 21. Jahrhundert noch. Das sollte doch nichts Schlimmes sein. Und schon gar nichts, dessen man sich schämen musste.
Apropos schämen: Aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie Bewegung in die Ecke kam, in der er zuvor Vincent mit seinem dunkelhaarigen Freund ausgemacht hatte. Argwöhnisch drehte er leicht den Kopf, sodass er die Szenerie im Auge hatte, konzentrierte sich aber weiterhin auf Sheela, die ihn seiner schlechten Tanzaufforderung rügte. Halbherzig lächelte er sie an. "Du hättest dich geehrt fühlen sollen, man bekommt nicht alle Tage die Chance mit einem Traynor zu tanzen." So allmählich fand er zumindest einen Teil seines Humors wieder. Machte Sheela ihn wirklich - zufriedener - ausgeglichener - wasauchimmer?

Ihr Gespräch wurde durch die blecherne Mikrofonstimme seines lieben Cousins unterbrochen. Mit einem Augenrollen wandte sich der Brite der Bühne zu, wo der Schulleiter in seinem übertrieben auffälligen Sakko stand. Es war zu viel. Alles an diesem Ball war zu viel. Das Sakko, die Deko, das Essen. Hatte dieses Volk wirklich so wenig Geschmack?
Mit halbem Ohr bekam er mit, was der Schulleiter verkündete. Ballpaar, blabla. Wen interessierte das, was spielte es für eine Rolle? Sein Blick glitt zu Vincent. Der gerade den anderen küsste. Alistairs Haltung gefror ein. Was zum Henker..?! Sie küssten sich tatsächlich, hier in aller Öffentlichkeit. Als wären sie - schwul ...
Das war widerlich! Was dachte sich Vincent? Was sollte das? Er konnte solche Spielchen in seinem Zimmer machen, aber doch nicht hier, das ging einfach zu weit. Sie waren doch keine - Amerikaner. Sheelas Kommentar hörte er fast nicht, doch als er sich ihr wieder zuwandte, war der Kuss vorbei, der Unbekannte stapfte davon und Vincent ergriff die FLucht zur Bar und dann nach draußen.
Sein Blick war abwesend, als er den Kopf zu Sheela drehte. "Was? - Jaja. Entschuldige mich mal kurz." Er erhob sich und ging schnurstracks seinem Bruder nach.

Draußen war niemand. Alle lauschten offenbar, wer das Ballpaar wurde. Sie waren so leicht zufriedenzustellen, die Amerikaner. Auf der Terasse stand, mit dem Rücken zu ihm, nur eine einzige hochgewachsene Person mit einer Whiskeyflasche in der Hand. Er sah irgendwo gen Horizont, als Alistair entschlossenen Schrittes auf ihn zuging, seine Schulter packte und zu sich herumdrehte. "Was - im Namen der Königin - war DAS eben?" Seine zurvor leicht gehobene Stimmung verschlechterte sich augenblicklich wieder. Ein schwuler Bruder war das letzte, was er gebrauchen konnte. Ihr Vater würde sonst etwas werden. Und Alistair bald auch, wenn dieser Alptraum von Amerika nicht bald aufhörte.
{Sheela | -> PARK | Vincent}

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Liam Dearing

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BeitragThema: Re: Aula   Di März 27, 2018 12:54 pm

Wenigstens wusste Liam, was er mit Roxanne tun musste. Frisbee oder Tennisball kamen geworfen ja immer gut an. Wenn es Liams Freunde in Kentucky nicht so gut verdaut hatten, dass er schwul war, würde sie wohl auch die einzige 'Person' sein, die ihn als Freund durch den Sommer begleitete. Liam machte sich jedenfalls jetzt schon Gedanken, wohin er alles mit ihr gehen könnte und Touren, die er mit ihr machen konnte.

Liam wurde jedoch aus seiner Planung geholt, als Levana, die eben noch an der Bar gestanden hatte, jetzt vor ihm stand und fragte, ob es in Ordnung war, wenn sie sich dazu setzte. Freundlich deutete der Fünfzehnjährige auf einen der freien Stühle. "Mach ruhig.", meinte er und lächelte freundlich. Sofort überlegte Liam, was er sagen könnte, nachdem sie sich gesetzt hatte. Ihm fiel nur nichts ein, weshalb er vorerst schwieg und verlegen Richtung der Tanzfläche sah. Es waren da doch einige Paare am Tanzen, was auch Levana neben ihm anmerkte. "Stimmt.", meinte Liam knapp und überlegte kurz, wie er die Konversation am Laufen halten konnte. Ein einfaches 'Stimmt' half da wohl kaum. Da er selber keine Begleitung hatte, bekam er dann doch eine Idee, als er das Mädchen ansah. "Und dich hat keiner gefragt?", fragte er höflich und biss sich kurz auf die Lippe, weil er sich kurz darauf nicht mehr sicher war, ob er da nicht etwas zu weit ging und Levana vielleicht aus Versehen beleidigte. "Ich meine, bei deinem Aussehen kann ich mir das eigentlich kaum vorstellen.", ergänzte er daher. Liam war vielleicht schwul, aber nicht blind. Er selbst hätte zwar eine andere Farbe gewählt, aber dank dem leichten Muster stand es ihr sehr gut. Der eher unauffällige Schmuck rundete das ganze ab und ihre Schminke war so dezent, dass es kaum auffiel, dass sie überhaupt welche trug. Liam selbst trug nur einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und parisroter Krawatte ohne Muster. Er hatte keinen Partner, für den er sich hätte wirklich aufbrezeln müssen, und er wollte auch eher weniger auffallen. Das erste, was Colin auf der Heimfahrt zu ihm sagte - falls er überhaupt mit ihm reden würde - sollte nicht sein, dass Liam ihn irgendwie blamierte, weil er sich 'zu nuttig' angezogen hatte oder zu deutlich gezeigt hatte, dass er schwul war. Kurz huschte Liams Blick nochmal durch den Raum, in der Hoffnung, den Bruder doch irgendwo zu entdecken. Er würde sich mit ihm mal endlich aussprechen müssen. So wie jetzt, konnte das zwischen ihnen doch nicht weiter gehen.


{Gespräch mit Levana}

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Joleen Mahone

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BeitragThema: Re: Aula   Do Apr 05, 2018 10:33 am

Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit hatte Joleen einfach nur auf nüchternen Magen zu viel getrunken. Sie hatte den halben Tag damit verbracht, ihre Pferde zu trainieren, und irgendwie war da keine Zeit mehr übrig geblieben für die ausgewogene Ernährung, auf die sie sonst so penibel achtete. Stattdessen hatte sie irgendwie gar nichts gegessen, wenn sie jetzt so darüber nachdachte, und vermutlich waren ihr ihre zwei Drinks deswegen auch schon zu Kopf gestiegen. Und daran musste es dann auch liegen, dass sie sich fühlte wie ein junges Mädchen, das ihrem Schwarm gegenüberstand.
So ein seltsames Phänomen.
Natürlich hatte Jo schon gedatet, sie hatte sogar zwei ziemlich lang anhaltende Beziehungen geführt mit Jungs beziehungsweise jungen Männern, die sie sehr geliebt hatte. Aber die letzte Beziehung war vor wenigen Jahren auseinandergegangen - im Guten, aber dennoch - und seitdem hatte sie es irgendwie nicht geschafft, sich um ihr Liebesleben zu kümmern. Ab und zu war sie mal auf das eine oder andere Date gegangen, und erst bevor sie zur Ranch gekommen war, hatte sie sich den letzten freien Sommer mit einer kleinen Romanze vertrieben. Sie wusste also, wie diese Herzensangelegenheiten funktionierten. Sie wusste auch, dass Lucien garantiert niemand war, für den sie sich auch nur im Ansatz interessieren sollte. Selbst, wenn er nicht ihr Schüler wäre; er war auch einfach nicht ihr Typ.

Trotzdem wurde ihr jedes Mal warm ums Herz, wenn sie ihn ansah. Und sie konnte nicht anders, als ihn neugierig zu beobachten, während sie sich gemeinsam über das Buffett hermachten. Sein Teller füllte sich schnell, während ihrer relativ leer blieb - denn obwohl sie den ganzen Tag nichts gegessen hatte und auch, wenn sie richtig Hunger hatte, wusste sie, dass es ein Fehler sein würde, sich jetzt auch noch mit dem ganzen leckeren Zeug hier vollzustopfen. Also nahm sie nur hiervon und davon ein wenig, während sich auf dem Teller ihres Auszubildenden immer mehr stapelte. Sie fand es nicht schlecht, ganz und gar nicht - er war so ein Hungerhaken, da musste ja irgendwas auf die Rippen. Der Gedanke brachte sie zum Schmunzeln.
Sie setzten sich, und schlugen natürlich sofort zu. Das ganze Rumgehampel um das Ballpaar ignorierte Joleen geflissentlich - es gab Sachen, die interessierten sie einfach nicht. Und es ging sie auch nichts an, dass Phillip und Rebecca Händchen hielten und einfach zu zuckersüß verliebt aussahen. Da war ihr Essen deutlich interessanter, einfach nur, weil sie davon profitierte. Oder Lucien, der war auch interessanter. Da konnte sie allerdings nicht sagen, warum.

Seine Frage brachte Joleen zum Lachen. "Ganz so schlimm ist's auch wieder nicht!", erwiderte sie fröhlich, und freute sich insgeheim, dass sie es mittlerweile geschafft hatte, so nah an Lucien ranzukommen, dass er mit ihr scherzte. Das war ein weiterer kleiner Erfolg, den sie feiern konnte - und das würde sie. Immerhin hatte Sebastian den Abend zum Feiern ausgelegt. "Aber der Hund müsste gleich nochmal raus, am Ende schlägt sie mir noch die ganze Bude kurz und klein." An sich war das eine Lüge. Asga würde vermutlich schlafend in irgendeiner Ecke liegen, und selbst, wenn sie wach war, würde sie nicht das Cottage auseinander nehmen. Aber es war eine gute Ausrede, um sich gleich, ähnlich wie der eine reiche Brite, eine Flasche irgendwas von der Bar zu holen und sich damit aus dem Staub zu machen.


{ Gespräch mit Lucien }

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Rahel Goldman

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BeitragThema: Re: Aula   Do Apr 05, 2018 7:00 pm

Hatte sie sich verliebt? Eigentlich müsste Rahel diese Frage problemlos beantworten können, immerhin war sie schon so verliebt gewesen, dass sie eine Ehe eingegangen war. Und doch zögerte ihr Verstand noch davor, etwas zuzugeben, das ihr Herz ihr längst überdeutlich entgegen schrie. Ihre Augen hingen an Sebastian, nahmen jedes Detail eines Gesichtes war, jeden Funken seiner Mimik, die selten so belebt war wie in diesen Augenblicke, während sie aßen, scherzten und redeten. Sie genoss das Spiel seiner Augenbrauen, das amüsierte Zucken seiner Oberlippe, ehe sich ein echtes, breites Lächeln bildete. Manchmal kräuselte sich seine Nase ein wenig und auf seiner Stirn zeigten sich längst die ersten Denkfalten, die bei jungen Menschen fehlten. Doch am bemerkenswertesten waren seine Augen – so klischeehaft das sein mochte. Rahel hätte schwören können, dass nicht einmal Jon sie so angesehen hatte, als sie zum ersten Mal ausgegangen waren. Sebastians Blick war intensiv, so intelligent, dass es bei einem Menschen, dem sie weniger Vertrauen entgegenbrachte, einschüchtern hätte wirken können. Mindestens einmal hatte sie das Gefühl, sich zur Raison rufen zu müssen, weil sie so in dem dunklen Braun versank, dass es ihr schwerfiel, den Worten Beachtung zu schenken. Sie hatte das mädchenhafte Bedürfnis, eine Haarsträhne zu zwirbeln und mehr als einmal suchte sie kleine Berührungen, nur des Kontaktes wegen. Es war aufregend, verwirrend und doch so einfach. Vertraut und doch so neu, weil Sebastian wirklich wertschätzte, was sie sagte. Sie erkannte es in seiner Miene, in der bedachten Art, wie er auf das antwortete, was Bedeutung hatte. Und auch so wollte ihm diese Aufmerksamkeit entgegenbringen. Nicht nur heute Abend.

Als sich Sebastian dann auf die Bühne verabschiedete, spürte sie seine Abwesenheit fast körperlich. Und doch gestattete ihr der Auftritt, sich dem Anblick seines Körpers zu widmen, ohne dabei Gefahr zu laufen, einem Gespräch nicht mehr folgen zu können. Vielleicht war das Sakko etwas zu gewagt, doch es störte sie nicht. Sebastian trug es mit so viel Selbstbewusstsein wie wohl nur wenige andere. War er in anderen Bereichen wohl auch so selbstbewusst? Wie würde sie damit umgehen können? Wenn dieses Date gut verlief, würde sie sich mit diesen Fragen befassen müssen. Unsicherheit wurde zu einem Knoten in ihrem Magen. Natürlich war da Jon gewesen und eine winzig kurze Beziehung nach ihm. Doch sie wollte keine Affäre mit Sebastian. Sie wusste, dass der Prinz auf dem weißen Pferd eine riesige Illusion war. Manchmal half Wissen jedoch wenig.
Dass Phillip und Rebecca das Königspärchen stellten, überraschte Rahel schließlich ehrlich. Sie hätte erwartet, dass die Krönchen an jemanden aus der Schülerschaft gehen würden – immerhin begeisterten sich Teenager doch sehr für den sozialen Status, falls sich da seit ihrer Schulzeit und den berüchtigten Jahrbüchern nichts geändert hatte. Umso mehr freute sie sich über die Anerkennung, die dem ruhigen Phillip zukam. Auch wenn er ziemlich dumm aus der Wäsche schaute, was sie zum Lachen brachte. Die Zeremonie mochte klein und vielleicht etwas knapp ausfallen, aber sie hob Rahels sowieso schon hervorragende Stimmung auf einen weiteren Höhepunkt. Am liebsten hätte sie gejubelt oder Grimassen geschnitten – aber dazu fehlten doch etliche Drinks. So beließ sie es bei einem breiten Grinsen, als Sebastian sich schließlich wieder zu ihr setzte. „Wusstest du, dass es die beiden werden würden?“, fragte sie den Zeremonienmeister mit einem verschwörerischen Unterton.


[Sebastian | Krönung | und wieder Sebastian]

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Hazel McMillan

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BeitragThema: Re: Aula   Do Apr 05, 2018 7:22 pm

Niemals hatte Hazel so einen brennenden, stechenden, ziehenden Schmerz gespürt wie nach Logans Worten. Alles denkbar. Bei Ira dann auch? War der Junge, der Mann, in den sie sich so sehr verliebt hatte, dass es sie in jede erdenkliche innere Achterbahn katapultiert hatte, wirklich schwul? Das durfte doch nicht wahr sein! Wie würde sie denn darüber hinwegkommen?! Das ging doch gar nicht! Das war einfach nicht… so war das erste Mal verliebt zu sein nicht geplant! Das durfte einfach nicht sein. Am liebsten hätte Hazel auf der Stelle zu weinen begonnen – die Tränen brannten schon in ihren Augen – doch sie wollte sich diese Blöße nicht vor Logan geben. Nur weil sie gehofft hatte, dass sie vielleicht auch einmal Glück mit den Jungs haben würde. Dass sie den ersten Kuss vor dem achtzehnten Geburtstag erleben würde. Und dass dieser Kuss voller Bedeutung stecken würde, weil sie ihn mit jemandem teilte, den sie liebte. Oder in den sie zumindest verliebt war. Himmel, sie wusste gar nicht, wo ihr der Kopf stand vor lauter Unglück!
Das Essen vom Buffet lag ihr mit einem Mal schwer im Magen und sie konnte nur auf ihren Teller starren. Wahrscheinlich konnte man ihr jedes Gefühl vom Gesicht ablesen. Etwas dagegen unternehmen, konnte sie trotzdem nicht. Nicht einmal von Geschehen auf der Bühne bekam sie etwas mit. Erst Logans banale Frage nach Lady riss sie wieder aus dem Strudel des Schmerzes, der ihr Herz entzweiriss.
„Auf… auf meinem Zimmer. Ich muss nachher nochmal mit ihr raus“, antwortete sie mechanisch und hob zum ersten Mal wieder den Kopf, ehe sie gequält lächelte, als ihre Begleitung sich für sein Verhalten entschuldigte. Sie war Britin! Sich so gehen zu lassen, war vollkommen untypisch für die Menschen von der Insel. Und Logan hatte es nicht verdient, dass er sich schlecht fühlte, bloß weil sie… weil sie so unfassbar dumm war und sich in einen Homosexuellen verliebt hatte. Bloß, weil sie das Gefühl hatte, dass ihr Herz in Trümmern lag. Nein, sie war es sich, ihrer Herkunft und ihrem Kumpel schuldig, dass sie sich zusammenriss.
„Ach was, ich bin selbst etwas abgelenkt. Aber das können wir jetzt ja ändern… Ist klar. „Wie verbringst du denn die Ferien? Und was passiert mit deinem Pferd? Lässt du es hier?“ So wenig ihr das Thema Pferde immer noch zusagte – normalerweise lockerte das die Zungen aller anderen Hofbewohner hier.

[Logan]

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by Moon
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Sebastian Holmes

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BeitragThema: Re: Aula   Di Apr 10, 2018 7:03 am

Sebastian war nicht besonders überrascht von dem Ergebnis der Ballpaarwahl. Derzeit gab es eigentlich nicht besonders viele schöne Pärchen in den Reihen der Schüler - und das Traumpaar, das sich angebahnt hatte, hatte sich nicht offen zeigen wollen, wie ihm aufefallen war, und so war es dann gekommen, dass es sich irgendwie zwischen den erwachsenen Personen auf dem Hof entschieden hatte. Das war womöglich genauso spannend für die Schüler, wenn er überlegte, wie viele am Ende für Phillip und Rebecca gestimmt hatten; die meisten von ihnen waren solche Tratschtanten, dass sie es liebten, sich in irgendwelche Gerüchte reinzusteigern. Sebastian interessierte es an sich weniger, ob nun wirklich zwischen seinen beiden Kollegen etwas lief oder nicht. Das einzige, was für ihn zählte, war dass auf dem Gesicht seines alten Freundes endlich wieder ein echtes Lächeln stand. Und wenn er dafür Rebecca brauchte, dann war doch alles gut.
Sebastian gratulierte den Beiden und scherzte mit ihnen ein wenig auf der Bühne, bevor er sich selbst zurück zum Tisch auf machte - zumindest für den Moment. Schon früh landete sein Blick auf Rahel; auch sie strahlte heute Nacht, wie er es selten gesehen hatte. Sie war so wunderschön. Dieser Gedanke brachte ihn etwas aus dem Gleichgewicht, doch er hörte nicht auf, sie direkt anzusteuern. Sie war wunderschön, und er war in sie verliebt, und heute Abend würde er es ihr sagen und ihr zeigen. So viel stand ja mittlerweile fest. Er war vielleicht überhaupt nicht gut darin, seine Gefühle zu zeigen oder darüber zu reden; aber für Rahel war er mehr als bereit, es zu versucen.

"Nein, ich wusste es nicht, eins der Schülerkommitees hat die Stimmen gezählt.", sagte Sebastian ehrlich auf ihre Frage, als er sich zu seiner Begleitung für den Abend gesellte - nur setzte er sich nicht, sondern blieb stehen, grinste sie unverhohlen glücklich und verliebt an. "Würdest du mit mir tanzen?", fragte er. Was niemand sah: das Mikrofon von eben schlummerte in seiner Hosentasche, ausgeschaltet für den Moment. Aber Rebecca und Phillip glaubten doch nicht wirklich, dass sie ohne einen ersten Tanz davonkommen würden? Und natürlich würde Sebastian sich das nicht nehmen lassen, ebenfalls die Tanzfläche zu Stürmen; jedenfalls beim ersten Tanz, der definitiv ein Standardtanz sein sollte, ein Walzer oder ein Discofox. Er wusste es nicht. Hatte er womöglich doch zu viel Macht den Schülern überlassen?


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