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 Dressurviereck

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Sheela Verma

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BeitragThema: Re: Dressurviereck   So Jul 09, 2017 12:35 pm

Überraschung war nichts, das sich Alistair oft anmerken ließ. Umso größer war die Genugtuung, gemischt mit einem Hauch von Scham, für Sheela, als sie die Verblüffung in seinen Augen sah. War die Aussage zu dick aufgetragen gewesen? Nein, sie meinte ihre Worte. Wenn sie ihn nicht gerade unmöglich gefunden hatte, war er ein guter Freund gewesen. Ein Mensch, dem sie vielleicht irgendwann sogar hätte vertrauen können. Der Gedanke allein war vermutlich naiv gewesen. Traynor war ein Taktiker durch und durch. Aber trotzdem schlummerte irgendwo tief unter dem Eis ein gutes Herz.
Als habe er ihre Gedanken gespürt, ergriff er schließlich die ausgestreckte Hand. Ein Kribbeln lief über den Arm der Inderin, doch sie zwang sich, nicht auf die Hände zu schauen, sondern die Augen hinter der Sonnenbrille zu fixieren. Ihr Herz schlug schneller, doch sie fühlte, dass sie die Kontrolle über diese Situation hatte. Und das lag nicht nur daran, dass sie gerade auf den gegenüberliegenden Seiten von Fortunas Rad standen. Sie hatten sich beide verändert. Vielleicht sogar so sehr, dass aus diesem ziemlich irrsinnigen Gespräch so etwas wie eine gesunde Freundschaft werden konnte. Das erleichterte Sheela trotz ihres erstarkten Selbstbewusstseins. Es war eine Sache, in ein fremdes Land zu reisen, um dort eine Arbeit in einem riesigen Hospital anzutreten. Als eine Ärztin unter vielen, egal wie viel größer das Wissen um Krankheiten und wie viel höher ihre Kompetenz in Sachen Behandlungsmethoden war. In den anderen Kliniken war sie immer eine vom Team gewesen. Hier aber stand sie wegen ihrer Ein-Frau-Abteilung als Außenseiterin da, was noch durch ihre halbe Zugehörigkeit zum Hof verstärkt wurde. Und auch hier fand sie eine Gemeinschaft vor, die verschworen war. So viel konnte sie sich aus Holmes‘ Informationen zusammenreimen.
Dass sie nun darauf hoffen konnte, zumindest einen Schritt näher an die Hofgemeinschaft gekommen zu sein, hätte sie beinahe erleichtert aufatmen lassen.

Dann jedoch zeigte sich die Seite von Alistair, die sie zuverlässig in den Wahnsinn getrieben hatte. Es war eine eiskalte Retourkutsche, die ihren Blick kurz ebenso eisig werden ließ. Kurz erwog sie, ihm die Hand zu entziehen, ein wütendes ‚Vergiss es einfach‘ zu schnauben und zu gehen. Aber sie waren erwachsen, wie sie gesagt hatte. Daher straffte sie die Schultern, erwiderte den Blick und fand etwas in den Augen des blonden Mannes, das sie nicht erwartet hatte und kaum deuten konnte. Etwas Verletzliches lag in den Augen, ließ sie schlucken.
Vielleicht war es das, was sie dazu bewegte, in ihre Hosentasche zu greifen und eine kleine, silberne Münze herauszuziehen, zusammen mit einer Visitenkarte. Beides hielt sie ihm hin, sodass er es im Zweifelsfall ergreifen konnte. Dann ließ sie die Hand los.
„Zwei Jahre vollkommen clean und diese Psychologin arbeitet in Victoria City und ist auf Probleme wie meins spezialisiert“, erklärte sie neutral und ohne Triumph in der Stimme. Dass es wirklich notwendig gewesen war, sich einer anonymen Gruppe anzuschließen und psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, war immer noch der Schandfleck ihres Lebens.

[Alistair]

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Alistair Traynor

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Anzahl der Beiträge : 40
Anmeldedatum : 27.02.17

BeitragThema: Re: Dressurviereck   Mi Jul 26, 2017 6:21 pm

Menschenkenntnis war etwas, das man nur mit viel Geduld erlangte. Berechnung dagegen musste einem in die Wiege gelegt worden sein, damit sie am Ende zur Zielerfüllung beitrug. Von beidem besaß Alistair eine Menge, obgleich man meinen mochte, von letzterem deutlich mehr. Aber er wusste, wann er welche Register ziehen musste und konnte um sein Gegenüber aus der Reserve zu locken. Es gab Gründe, warum sein Vater ihn mit gerade einmal 24 Jahren bei großen Verhandlungen dabei haben wollte, und ebenso gab es Gründe, warum die Mitarbeiter in der Firma schon jetzt dem Wechsel in der Führungsetage von Senior zu Junior mit gemischten Gefühlen entgegensahen. Das, was Alistair bei anderen Menschen berechnete, ließ sich bei ihm umso schwieriger erschließen. Er war ein Meisterwerk aus Vertuschung und Maskerade. Seine Mauern ließ er nicht fallen – das war immerhin kontraproduktiv. Dennoch hätte er es einmal fast getan, als sich Sheela nachts noch an ihn geschmiegt und über ihre Lernsorgen geplagt hatte. Mehrmals hatte er sie melancholisch angelächelt, ihr eine Haarsträhne zurückgestrichen und gesagt, dass sie das schaffen würde. Nicht, um sie zu ermuntern, sondern weil er es immer geglaubt hatte. Er hatte sie – trotz ihrer gelegentlichen Unsicherheit – als starke Frau kennengelernt, der er sich zeitweise gerne anvertraut hätte. Aber dann war sie mit einem Angriff auf ihn losgegangen, der ihn nicht nur zerrüttet hatte, sondern auch jedes noch so kleine Loch in seinen Mauern augenblicklich geflickt hatte. Die Ruction Scene war vermutlich das größere Problem ihrer damaligen Zeit gewesen, denn immerhin betraf sie mehrere Menschen und fügte mehreren Schaden zu. Doch bis heute betrachtete der Blonde seine Zeit in der Scene als Reifeprozess, den er –wie so viele andere – hatte durchlaufen müssen. Wer Erfolg im Beruf haben wollte, wer womöglich an die Börse wollte, wer eine Firma leiten wollte, der musste früher oder später über Leichen gehen. Man konnte nicht immer auf alle Rücksicht nehmen, denn dort wo Erfolg spross, gab es immer auch Leid. Die Kunst war, dies auszublenden.
Ihr eigenes Leid hatte Sheela auch ziemlich gut ausblenden können und es traf sie wohl noch immer, denn ihr Blick verhärtete sich und ihre Hand wurde starr in der seinen. Die Antwort fiel nüchtern aus. Kein Triumph, kein Stolz, aber auch keine Trauer und keine Wut. Alistair wusste, dass er sie mit dieser Frage provoziert hatte, aber hatte sie dasselbe nicht bei ihm getan? Er ließ seine Rechnungen ungern offen und wer versuchte ihn auch nur minimal anzugreifen, konnte sich sicher sein, dass das retour kommen würde. Er kniff die Augen zusammen, die von der Reflexion der silbernen Münze noch mehr geblendet wurden als vom eigentlichen Sonnenlicht. Sheela war ein ehrlicher Mensch und auch wenn er oft genug gehört hatte, was die Sucht mit Menschen machen konnte, so glaubte er nicht daran, dass sie ihn hier an der Nase herumführte. Dazu war sie einerseits nicht der Charakter und andererseits war sie immer gegen Betrug gewesen. Warum sonst hatte sie ihm so viele Vorhaltungen gemacht?! Der Brite nickte leicht und ließ ihre Hand los, als wäre dies ihr Freispruch, aber er erwiderte nichts weiter. Womöglich war auch ein Traynor in der Lage zu reifen und manche Dinge schlichtweg auf sich beruhen zu lassen.

Inzwischen waren die Tribünen beinahe komplett leer geworden und das veranlasste Maya dazu, sich unter der Bank aufzurappeln und einmal nachzusehen, wohin denn alle gingen. Ein vergewissernder Blick auf ihren Besitzer bestätigte ihr aber wohl, dass es für sie noch nicht an der Zeit für einen Aufbruch war. Dennoch gab sie ein fordernde Kläffen von sich, als wolle sie die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen. „Ich fürchte, die Dame will sich etwas die Beine vertreten, da diese Tanzveranstaltung dort unten nun vorbei ist.“ Er hatte keine Ahnung, wie das weitere Programm des Turniers aussah und es war ihm auch herzlich egal. Sein Ziel war es, sich nur möglichst gut von den Pferden fernzuhalten und dabei nicht allzu vielen neugierigen Eltern und Möchtegernschülern in die Hände zu laufen. Er hasste Mittelständler. Gut, nicht direkt hassen, aber sie nervten. Sie glaubten die Welt zu verstehen und ahnten nicht einmal im geringsten, wie der Hase wirklich lief. „Was ist mit dir? Bist du noch so erpicht darauf sie kennenzulernen oder widmest du dich irgendwelchen medizinischen Angelegenheiten?“ Mit einem Kopfnicken deutete er auf Maya. Zu gut erinnerte er sich noch an das neugierige Leuchten in Sheelas Augen, wann immer sie etwas neues über seine Hündin hatte erfahren können. Als sich Alistair nun erhob, war diese auch schon augenblicklich bei der Sache, sprang auf die Beine und lief vergnügt einmal um ihren Besitzer herum. Konnte er so ein schlechter Mensch sein, wenn ihn dieser Hund so abgöttisch zu lieben schien? Das Vertrauen eines Tieres konnte man sich schließlich nicht erkaufen.
{Sheela | Ortswechsel?^^}

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